AUF DEN SPUREN VON HUMBOLDT - TOUR DU JUMELAGE 2013 IM TRENTINO Verschwisterungsverein Schotten war mit dabei.

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

[pd] In den Tagen vom 19. bis 23. Juni fand die diesjährige 'Tour du Jumelage' – ausgerichtet vom Partnerschaftsverein „ARCO OBIETTIVO EUROPA“ im Trentino im schönen 'Val di Fiemme – dem Fleimstal', Austragungsort der diesjährigen nordischen Skiweltmeisterschaften, statt. Dieses Hochtal, nordöstlich vom Gardasee und der Provinzhauptstadt Trient gelegen, lockt seine Besucher aber nicht nur mit den vielfältigen sportlichen Möglichkeiten, sondern auch mit einem herrlichen Landschaftsbild enger wildromantischer Täler, hoch aufragenden schneebedeckten Bergen der 'Pale San Martino' und der 'Latemar'-Gebirgsketten, sowie kulturhistorischen Stätten und besonderen geologischen Gegebenheiten. Mittendrin, in den vielfältigen touristischen Angeboten, hatte der Tross der etwa 100 Teilnehmer der 30. Tour du Jumelage im Hotel 'Los Andes' in Castello di Fiemme Quartier genommen. Lino Rosà, der Präsident des Partnerschaftsvereins Arco hatte mit seinem Team nicht nur eine angenehme Örtlichkeit als Ausgangspunkt für die täglichen Touren ausgewählt, sondern, wie die Teilnehmer aus den 7 teilnehmenden Partner- und Freundschaftsstädten am Ende der diesjährigen 'Tour' übereinstimmend bestätigten, auch ein interessantes vielschichtiges Programm für die vier Tage zusammengestellt.

Am ersten Tag wurde dem Gebiet des 'Parco Naturale Paneveggio' ein Besuch abgestattet. Dieses Gebiet, im östlichen Bereich der Dolomiten gelegen, ist Teil der europäischen Schutzgebiete „Natura 2000“ und als Teil der UNESCO-Weltnaturerbe und -Weltkulturerbe anerkannt. Das Schutzgebiet umfasst eine Gesamtfläche von rund 19.700 ha und die größten Anteile liegen oberhalb von 1.500 m Meereshöhe. Eine Besonderheit in diesem Schutzgebiet ist der Wald Paneveggio. Durch das besonders langsame Wachstum der vorwiegend in diesem Gebiet wachsenden Fichten und Lärchen-bäume haben berühmte Musikinstrumentenbauer, wie z.B. Strativari, diese Gegend gewählt, um die Hölzer für ihre Instrumente, bei Strativari die Geigen, auszusuchen. In einem Besucherzentrum – ähnlich dem auf dem Hoherodskopf – und einem anschließenden Rundgang unter der Führung eines 'Rangers' wurden die Teilnehmer über die Besonderheiten dieses Naturraumes und Schutzgebietes informiert.

Nach einer gemütlichen Einkehr mit typischer trentiner Verköstigung auf der Almhütte 'Malga Venégia', unterhalb der Gipfelkette der Pale San Martino (2.000 m) gelegen, traten die Tour-Teilnehmer den Rückweg an. Dabei wurde in der Stadt Petrazzo ein Halt eingelegt, um dem geologischen Museum der Dolomiten einen Besuch mit fachkundiger Führung abzustatten. Petrazzo, neben Cavalese einer der beiden Hauptorte im 'Val di Fiemme', liegt am Zusammenfluss der Flüsschen Travignolo (kommt aus dem Gebiet der 'Marmolada') und Avisio (Pale di San Martino) und beherbergt in seinen Mauern das 'Geologische Museum der Dolomiten' eines der wichtigsten geologischen Museen im Alpenraum überhaupt. Sein Leiter, Dr. Elio Dellantonio, ist ein anerkannter Wissenschaftler, der sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung des UNESCO-Gebietes der mehr als 235 Mill. Jahren alten geologischen Formationen der Dolomiten befasst. Für die Teilnehmer aus Deutschland war es interessant zu erfahren, dass der weltweit bekannte deutsche Forscher und Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt neben seinen vielen Veröffentlichungen über seinen langen Aufenthalt in Südamerika sich ebenfalls mit den Besonderheiten des Dolomitgestein befasst hat.

Der zweite Tag setzte quasi die theoretischen Erkenntnisse vom ersten Tag im Gebiet der Latemar - Gebirgsgruppe in die Praxis um. Am Ende des Stava-Tales ging es mit einem Sessellift auf gut 1800 m zum 'Passo di Fuego'. Von dort aus zweigt der „Sentiero Geologico del Doss Capèl“ - ein gut ausgearbeiteter und ausgebauter Wanderweg zur geologischen Erkundung des Berggebietes des 'Latemar' ab. Unterstützt durch den geologischen Fachbereich der Universität Ferrara und die Gemeinden Predazzo und Tesero wurde durch den Tourismusverband 'Val di Fiemme' dieser geologische Wanderweg mit insgesamt 32 Stationen entwickelt. Die Besonderheit dieses Weges ist, dass aus wissenschaftlicher Sicht in akribischer Art und Weise das Fachgebiet Geologie so entwickelt und aufgebaut wurde, dass auch nicht wissenschaftlich vorgebildete Wanderer die Einzigartigkeit und
erstaunliche Vielfalt der aufgeschlossenen Felsformationen sich verinnerlichen können. Zum besseren Verständnis sind die jeweiligen Felsenbilder auf Tafeln klar und deutlich beschrieben.

Der Abend dieses Tages war einem weiteren – einem akustischem Höhepunkt – vorbehalten. In erster Linie für die Tour-Teilnehmer, aber auch weiteren Interessierten, war der „Coro Castel“, einer der bekannten 'Trientiner Bergsteiger-Chöre' aus Arco gekommen, um in einem mehr als einstündigem Liedvortrag sein musikalisches Können zum Besten zu geben. Natürlich durfte dabei das weltbekannte Lied 'LA MONTANARA' nicht fehlen.
Am dritten Tag wurde der Stadt Cavalese und dem dortigen Palast der 'Magnifica Comunità di Fiemme' – ein mächtiges Gebäude mit einer Fassade mit wunderbaren Renaissance-Fresken, die bei einem Umbau und Renovierung in 1539 hergestellt wurden, des in seinen Ursprüngen wesentlich älteren Gebäudes [etwa 1314], ein Besuch abgestattet.

Die 'Magnifica Comunità di Fiemme' ist ein kommunaler Zusammenschluss der auf eine vertragliche Vereinbarung aus dem Jahr 1111 von den damals 7 eigenständigen Gemeinden des Fleimstals mit dem damaligen Fürstbischof aus Trient zurückgeht. In dieser Vereinbarung wurden den Gemeinden durch den Fürstbischof zugesichert, dass sie ihre für sie damals wesentlichen Dinge, wie Verwaltung der Weiderechte, der Waldrechte, der Jagd etc. eigenständig regeln durften. Lediglich die Gerichtsbarkeit und ein Teil der damals von den Bewohnern des Fleimstales zu entrichteten Steuern wurden dem Fürstbischof zugesprochen. Ursprünglich war das mächtige Gebäude der Palast des Vikars (Vertreters) des Fürstbischofs. Später, etwa um 1540, wurde es der Sommersitz der Trienter Fürstbischöfe bis zur Säkularisierung der kirchlichen Besitztümer im Zuge der napoleonischen Kriege. Nach 1850 wurde der Palast von dem Gemeindezusammenschluss käuflich erworben. Er enthält den historischen Sitzungssaal des Rates des Gemeindezusammen-schlusses, der noch heute dem gleichen Zweck dient. Ansonsten wurde nach der letzten größeren Renovierung im Jahr 2009 der Palast zu einem Museum mit einer Galerie umgebaut. Der Gemeindezusammenschluss mit seinen Rechten besteht heute noch. Allerdings haben sich die Rechte im Laufe der Jahrhunderten gewandelt. Heute ist der Zusammenschluss im wesentlichen im sozialen Bereich, wie Betreuung von Kindern, Unterhaltung von Senioreneinrichtungen etc. engagiert.

Am Nachmittag des gleichen Tages wurde zunächst das 25-jährige Bestehen des Partnerschaft-vereins ARCO OBIETTIVO EUROPA gefeiert. Die Grußansprache seitens des Magistrates der Stadt Arco sprach Renato Veronesi, früherer Bürgermeister und heutiger Beigeordneter. Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wurden die noch engagierten Gründungsmitglieder des Vereins geehrt und mit Präsenten und Urkunden ausgezeichnet. In diesem Zusammenhang erfuhren auch die Schottener Klaus Appel, Gernot Schobert und Hans Otto Zimmermann eine besondere Auszeichnung. Sie wurden wegen ihrer Verdienste in der Zusammenarbeit mit dem arceser Partnerschaftsvereins zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. Mit einem gemütlichen Zusammensein und der Präsentation der kulturellen Beiträge der einzelnen Delegationen aus den Partner- und Freundschaftsstädten sowie einem fröhlichen Tanzabend wurde der dritte Tag beschlossen. Am Morgen des vierten Tages galt es wieder zu packen und Abschied zu nehmen.

Vier interessante und schöne Tage in gewohnt partnerschaftlicher Atmosphäre waren wie im Flug vergangen.