GEMEINSAMES GEDENKEN AN DIE SCHRECKLICHEN ERINNERUNGEN DES I. WELTKRIEGES 1914 – 1918

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

Verschwisterungsverein Schotten weilte zur Gedenkfeier in der französischen Partnerstadt Crosne

[pd] Eine Abordnung des Veschwisterungsverein Schotten unter der Leitung des Vorsitzenden Hans Otto Zimmermann, sowie die stellvertretende Vorsitzende des Fachausschusses für Partnerschafts- arbeit in der Stadtverordnetenversammlung, Frau Barbara Steffani-Velten, weilte in den Tagen vom 10. bis 13. November aus Anlass der Erinnerungen an den Ausbruch des I. Weltkriegs am 01. August 1914 und den nationalen französischen Gedenktag an die Unterzeichnung des damaligen Waffenstillstandes am 11. November 1918 in der französischen Partnerstadt Crosne. Neben der Delegation aus Schotten nahmen auch Abordnungen aus der belgischen Partnerstadt Beloeil und der befreundeten Stadt Bogen in Bayern an den Feierlichkeiten teil. Nach der Anreise und Begrüßung der Gäste im Sitzungssaal der Stadtverwaltung Crosne durch den Bürgermeister Mikael Damiati und den Vorsitzenden des Partnerschaftsverein, Daniel Robin, wurden die Gäste von ihren Gastgeberfamilien in Empfang genommen. In den meisten Fällen kennen sich die Beteiligten schon seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten, wie z.B. H.O. Zimmermann, der mit seiner Gastgeberfamilie schon seit 38 Jahren befreundet ist.

Zu einem ersten offiziellen Termin trafen sich alle Beteiligten am Abend des gleichen Tages zu einer Mahnwache am Denkmal der Gefallenen der Stadt Crosne. In dem ''großen Krieg'', wie die Franzosen den I. Weltkrieg auch bezeichnen, weil in den Jahren 1914 – 1918 mehr Franzosen – auch Frauen und Kinder – ihr Leben verloren als im II. Weltkrieg, mussten 73 Soldaten aus Crosne ihr Leben lassen. Ein hoher Blutzoll für die damals einwohnermäßig viel kleinere Kommune. Unter Beteiligung der Fahnenträger der verschiedenen Gruppierungen ehemaliger Soldatenverbände – auch derjenigen, die für Frankreich im Indo-China-Krieg [Vietnam etc.], sowie in Algerien gekämpft haben, sowie des Musik-vereins von Crosne, erinnerte Bürgermeister Mikael Damiati in einer ersten Ansprache an die schrecklichen Ereignisse des I. Weltkrieges. Dabei wurde er von Schüler/innen der Grundschule Crosne unterstützt, welche die Schicksale einzelner Soldaten verlasen. Im Anschluss an die Mahnwache trafen die Beteiligten sich im neu sanierten und eingerichteten ''Gebäude 1901'', ein zentrales Vereinsheim für die Vereine der Stadt Crosne, wo eine Ausstellung mit Berichten und Bildern des Weltkrieges aus der Zeit von 1914 bis 1918 zu sehen waren.
Am 11.11., dem Tag, an dem 1918 um 11:00 Uhr der morgens um 05:15 Uhr im Eisenbahnwaggon im Wald von Compiegne zwischen den kriegsführenden Parteien – auf der einen Seite Deutschland mit Österreich-Ungarn und auf der anderen Seite Frankreich, Großbritannien und die USA – vereinbarte Waffenstillstand, der das sinnlose Morden der vergangenen vier Jahre beendete, vereinbart worden war, fand zunächst auf dem Friedhof von Crosne eine erste Gedenkfeier für die Gefallenen und Verstorbenen der früheren Kriege statt. Anschließend marschierten die Teilnehmer der Feierstunde an verschiedenen Stationen zur Erinnerung an Gefallene der Kriege vorbei, bis sie wieder das Kriegerdenkmal gegenüber der Bürgermeisterei erreichten. Dort wurden Teilnehmer bereits von einer großen Gruppe der Bevölkerung, einer Schar von Schulkindern und des Musikvereins von Crosne erwartet. Nach einem kurzen Musikstück traten Bürgermeister M. Damiati und ein Vertreter der Veteranengruppen an das Denkmal heran und verlasen die Namen der 73 Gefallenen Männer mit dem Zusatz ''gefallen für Frankreich''. Es folgte das Abspielen der Nationalhymne, währenddessen die Vertreter von militärischen Organisation salutierten. Anschließend wurden von den verschiedenen Verbänden und Organisationen Blumengebinde am Denkmal niedergelegt. Nach und nach traten die Repräsentanten der verschiedenen Veteranengruppen, der Bürgermeister und die Vertreterin des Departements Esonne an das Rednerpult, um mit einem persönlich gehaltenen Redebeitrag den Gefallenen und Verstorbenen des I. Weltkrieges zu gedenken. Auch die Vertreter der drei beteiligten Partnerstädte waren im Vorfeld der Veranstaltung gebeten worden, einen Redebeitrag vorzubereiten, der nun in der Feierstunde vorgetragen wurde. Für die Freunde aus Beloeil trug Simon Money eine Rede von Bürgermeister Luc Vanseingele vor. Für die Stadt Bogen und deren Bürgermeister Franz Schedlbauer trat das Vorstandsmitglied des dortigen Partnerschaftsvereins, Oberstleutnant a.D. Klaus J.Neise ans Rednerpult. Die Bürgermeisterin der Stadt Schotten, Susanne Schaab, hatte eine Rede, die Beachtung hervorgerufen hat, vorbereitet, die in deutscher Sprache von der Stadtverordneten Barbara St.-Velten vorgetragen wurde. Die Übersetzung in die französische Sprache trug der Vorsitzende des Verschwisterungsvereins Hans Otto Zimmermann vor. Im Anschluss an die Ansprachen wurde von den Schulkindern eine Menge Luftballons in den Nationalfarben blau, weiß und rot in den sonnigen, azurblauen Himmel entlassen. Danach trafen sich die Offiziellen auf Einladung der Stadt Crosne zu einem gemeinsamen Umtrunk im ''Gebäude 1901''. Nach dem gemeinsamen Mittagessen begaben sich die Schottener zu einer Stadtrundfahrt nach Paris.

Der nächste Tag, Mittwoch, der 12. November stand ganz im Zeichen des Gedenkens, sowohl an die Opfer des I. Weltkrieges als auch des II. Weltkrieges. Gegen Mittag begab sich eine große Zahl Crosner Bürger unter der Leitung von Bürgermeister M. Damiati, der Vicebügermeisterin Annie Fontgarnand und der Beigeordneten für internationale Beziehungen Dominique Bierry in zwei großen Bussen auf den Weg nach Paris. Zunächst wurde der nationalen Gedenkstätte ''Mont Valérien'' ein Besuch mit geführtem Rundgang abgestattet. ''Mont Valérien'' ist mit 162 m eine der höchsten Erhebungen im Großraum Paris. Auf ihm befindet sich seit der Zeit 1840/44 eine Festungsanlage, die sowohl im deutsch-französischen Krieg von 1870/71, als auch während des II. Weltkrieges eine besondere Rolle gespielt hat. In der Zeit des II. Weltkrieges hat in den Jahren 1940 – 1944 ''Mont Valérien'' eine sehr traurige Rolle gespielt, in dem die Anlage zunächst von der regulären Deutschen Wehrmacht und später von Truppenverbänden der SS als Hinrichtungsstätte betrieben wurde. Die Geiseln und abgeurteilten Widerstandskämpfer wurden vor der Hinrichtung in einer kleinen Kapelle eingesperrt, von welcher aus sie dann zum eigentlichen Hinrichtungsplatz innerhalb eines kleinen Talkessels geführt wurden. Eine Datenbank umfasst bislang 1014 Opfer, die während des Krieges am Mont Valérien erschossen und auf unterschiedlichen Friedhöfen zumeist in Paris beigesetzt wurden. Die anfangs mit 4500 Hinrichtungen offiziell angegebene Zahl wurde später revidiert. Heute befindet sich am Mont Valérien neben einem US-amerikanischen Soldatenfriedhof (1541 Begrabene) das ''Mémorial de la France Combattante'' im Status einer französischen Nationalen Gedenkstätte, welche am 18. Juni 1960 (dem Jahrestag des sogenannten Appells vom 18. Juni durch den späteren Staatspräsidenten General Charles de Gaulle mit der Überführung der sterblichen Überreste von 16 Widerstandskämpfern eingeweiht wurde. Die Kapelle unweit der eigentlichen Hinrichtungsstätte ist zugänglich, Wandkratzereien zeugen noch heute von den dort eingesperrten Menschen. Neben ihr liegt ein kleiner Ausstellungsraum mit Briefen u.a. der Hingerichteten, das eigentliche Denkmal ist eine vor der Kapelle aufgestellte Glocke, in welche die Namen der Hingerichteten eingeschrieben sind. Der mit einem an eine Grabplatte erinnernden Gedenkstein bedachte Hinrichtungsort selbst, ein kleiner Talkessel etwa 100 Meter von der Kapelle entfernt, gilt als sakrosankt und darf von Besuchern – ausgenommen der Angehörigen der Hingerichteten – nicht betreten werden, wird allerdings von einem erhöhten Pfad umlaufen. Der Weg, welchen die Gefangenen in Richtung ihrer Hinrichtung zu beschreiten hatten, trägt heute den Namen ''Parcours des fusillés'' (Weg der Erschossenen). Seit 1990 ist der Platz vor dem Mémorial nach dem deutschen Abbé Franz Stock benannt. Stock war der Seelsorger der Gefängnisse von Paris und der Hinrichtungsstätte auf dem ''Mont Valérien'' während der nationalsozialistischen Besatzungszeit, zahlreiche Hingerichtete werden in seinen Tagebüchern genannt. Jährlich finden am 18. Juni Gedenkfeierlichkeiten statt, zu welchen sich der amtierende Staatspräsident in das goldene Buch der Gedenkstätte einträgt, das gemeinsam mit den Stiftungsdokumenten de Gaulles im Fuße des Denkmals verwahrt wird. Schweigsam und mit nachdenklichen Gesichtern verließen die Besucher die Gedenkstätte.
Vom ''Mont Valérien'' begaben sich die Teilnehmer der Busfahrt auf direktem Weg zur ''Avenue des Champs Élysée'', der Prachtstraße in Paris, an deren Ende sich das große Denkmal aus der Zeit von Napoleon, der ''Arc de Thriompe'' befindet. Im Zentrum des Denkmals brennt seit dem 11. November 1923 ein ewiges Feuer im Gedächtnis an einen unbekannten gefallenen französischen Soldaten aus dem I. Weltkrieg, der in den Stellungskämpfen bei Verdun gefallen ist und dessen sterbliche Überreste 1920 von Verdun zu der Gedenkstätte mit dem ewig brennenden Feuer in Paris verbracht wurden. Seit dem 11. November 1923 findet jeden Abend um 18:30 Uhr eine Gedenkstunde an diesem Denkmal statt. Für die Schottener Teilnehmer war überraschend, dass sich französische Organisationen und Verbände zu dieser Gedenkstunde als Teilnehmer anmelden können, um nach einem klaren Reglement dann am Abend am ''ewigen Feuer'' Blumengebinde niederzulegen. Bereits im Jahr 2013 hatte der damalige Bürgermeister der Stadt Crosne, Alain Gierard, sich um eine Teilnahme an dieser Zeremonie beworben, was auch genehmigt wurde. Daraufhin erging die Einladung der Stadt Crosne und ihres Partnerschaftsvereins an ihre Partnerstädte zur Teilnahme an dieser Gedenkstunde.

Dass diese Gedenkstunde am 12. November eine besondere werden sollte, war den Teilnehmern natürlich nicht bekannt. Nicht nur die Erinnerung an den Beginn des I. Weltkrieges am 01. August 1918 war dazu ein bemerkenswerte Datum, sondern die Tatsache, dass neben einigen hohen Militärs, unter anderem der Befehlshaber der französischen Truppen im Großraum Paris, ein 4-Sterne-General, sowie der Militärattaché von Australien und der australische Botschafter der Zeremonie beiwohnten, verlieh der Gedenkstunde neben der Anwesenheit einer Ehrenformation des französischen Militärs einschließlich einer großen Militärkapelle, welche die Feierstunde entsprechend musikalisch begleitete und neben der ''Marseillaise'' auch die australische Nationalhymne spielte, den richtigen Rahmen. Von der Stadt Crosne und den Veteranengruppen, aber auch von der Jugendfeuerwehr wurden am ''ewigen Feuer'' Blumengebinde niedergelegt. Die Partnerstädte beteiligten sich ebenfalls an dieser Zeremonie, indem sie gleichfalls einen Blumenstrauß niederlegten. Zum Abschluss der Gedenkstunde wurden alle Teilnehmer der Zeremonie durch die ''Offiziellen'' der Feierstunde per Handschlag begrüßt und mit einem kleinen ''Smaltalk'' verabschiedet. Diese Veranstaltung dürfte allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben, zumal bei einem sich anschließenden gemeinsamen Abendessen in der Stadthalle von Crosne die Zeremonie noch lange die Gesprächsthemen beherrschte.

Am folgenden Tag verabschiedeten sich die Gäste aus den Partnerstädten von ihren Freunden in Crosne und traten die Heimreise an. Wohlbehalten kam die Delegation in der Heimatstadt nach gut sieben Stunden Fahrzeit wieder an.