15 Jahre Städtepartnerschaft Beloeil – Maybole in Verbindung mit der „Nacht der Musik“ im Schlosspark Beloeil

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

(pd) Am Wochenende vom 24. - 26. August weilte eine kleine Delegation des Schottener Verschwisterungsvereins mit dem Vorsitzenden Hans Otto Zimmermann, seinem Stellvertreter Gernot Schobert und der stellvertretenden Vorsitzenden des Fachausschusses für Verschwisterung der Stadtverordnetenversammlung, Barbara Steffanie-Velden, in der belgischen Partnerstadt Beloeil in der Wallonie. Anlass waren die Feier zum 15-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen den beiden Schottener Partnerstädten Beloeil und Maybole/SCO, in Verbindung mit einer Einladung des Bürgermeisters von Beloeil zur „Nacht der Musik“ im Park des Schlosses Beloeil. Mit von der Partie war auch eine Abordnung aus der französischen Partnerstadt Crosne und der befreundeten Stadt Roccella Jonica aus dem süditalienischen Kalabrien.


Die Feierlichkeiten zu dem Partnerschaftsjubiläum begannen am Freitagnachmittag mit einem Empfang bei und von dem früheren, langjährigen Bürgermeister Eduard Dufrasnes, der von belgischer Seite im Jahr 1997 die Partnerschaftsurkunde unterzeichnete. Der Empfang war eine gelungene Veranstaltung, weil er sich insbesondere an langjährige, verdiente Mitglieder des Partnerschaftskomitees, die in der damaligen Zeit aktiv waren, richtete. Deshalb war die Wiedersehensfreude sehr groß und es wurden alte Erinnerungen ausgetauscht und viele Bilder aus der damaligen Zeit gingen durch die Reihen.


Die Festveranstaltung, die anschließend eigentlich unter freiem Himmel geplant war, musste jedoch wegen einer „schottischen Dusche“ kurzfristig in den „Europa-Saal“ des alten Rathauses in Beloeil verlegt werden. Im Beisein einer größeren Anzahl von Bürgern der Stadt Beloeil, Vertretern der kommunalen Gremien und auch des Bürgermeisters der Stadt Crosne, Alain Gierard, eröffnete Beloeils Bürgermeister Alain Carion die Feierstunde. In einer kurzen Ansprache ging er dabei auf die Entwicklung der Partnerschaft zwischen den beiden Städten ein und führte weiter aus, dass die Geschichte und Entwicklung in Europa immer mit größeren oder kleineren Problemen behaftet gewesen sei und noch immer ist. Gemessen an dem, was die Menschen heute jedoch umtreibt, nämlich die finanz- und wirtschaftspolitischen Probleme, waren in den früheren Jahrzehnten die Probleme deutlich größer, ging es damals doch um Krieg und Vertreibung. Deshalb sollten die heutigen Bewohner Europas zuversichtlicher in die Zukunft schauen. Auch wenn die heutige Krise um den Euro schwer auf allen lastet, ist dieses Problem dennoch zu lösen und fordert nicht wie vor 60 oder 70 oder noch mehr Jahren Millionen von Menschenleben.


Margaret Davidson, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Maybole, dankte Alain Carion für seine Ausführungen und dankte insbesondere den Veteranen der belgisch-schottischen Partnerschaft für deren Bemühungen vor 15 Jahren um die Partnerschaft zwischen Beloeil und Maybole. Da Großbri-tanien viele Jahre abwartend und reserviert gegenüber dem zusammenwachsenden Europa stand, war es für die Gemeinden im entfernter gelegenen Schottland anfangs schwierig in Europa „Fuß zu fassen“. Erfreulicherweise sind diese Zustände auch schon lange überwunden, nicht unbedingt weil die nationalen Politiker in Großbritanien dafür Vorreiter waren, sondern weil sich die Menschen auf der untersten Ebene der Gemeinschaft, in den Gemeinden, dafür eingesetzt haben. A. Carion und M.Davidson erneuerten danach mit ihren Unterschriften, mitunterzeichnet durch die offiziellen Vertreter der anwesenden Partnerstädte, in einer Urkunde die Vereinbarungen der Städtepartnerschaft.


In einem kurzen Grußwort dankte Barbara Steffanie-Velden für die Einladung zu der Jubiläumsfeier als auch zu dem Event „Nacht der Musik“. Sie bekräftigte die in Schotten gebräuchliche Aussage, dass die „Freunde unserer Freunde auch unsere Freunde sind“ und alle Partner- und befreundeten Städte letztendlich eine große Familie sind, die alle von dem gleichen Gedanken beseelt sind, einem Leben in Frieden und Freiheit und relativem wirtschaftlichen Wohlstand. Bei einem gemeinsamen Essen und gemütlichen Zusammensein, bei dem dann noch Gastgeschenke ausgetauscht wurden, klang diese Festveranstaltung aus.

Am Nachmittag des folgenden Tages trafen sich Gastgeber und ihre Gäste in der Nähe des Schlosses Beloeil in einem ehemaligen Speicher für Getreidegarben, der von der Stadt Beloeil zu einer rustikalen Versammlungs- und Ausstellungshalle umgebaut und restauriert wurde. Nach und nach trudelten die Besucher der „Nacht der Musik“ ein und die „Verschwisterer“ mussten sich ebenfalls auf ihre Positionen begeben, denn bei einem Besucherstrom von weit mehr als 10.000 Liebhabern von klassischer Musik und Gesang, die sich zwar weitläufig in dem 14 ha großen Schlosspark verteilten, musste man sich dennoch darum bemühen einen guten Platz in den einzelnen Stationen zu erhalten. An sieben verschiedenen Standorten im Park wurden jeweils hoch-rangige musikalische Darbietungen geboten. Angefangen von klassischer Gitarrenmusik für Solisten aus dem Repertoire von arabisch-andalusischen Kompositionen, über vierhändisches Klavierspiel am Flügel mit Darbietung von Kompositionen wie der „Barbier von Sevilla“ oder der Ouvertüre aus Rossini's „Wilhelm Tell“, zu Liedvorträgen aus dem Stück „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens bis zum Jazz und modernen Improvisationen reichte die Palette der musikalischen Darbietungen in der „Nacht der Musik“. Unangefochtener Höhenpunkt aller Präsentationen waren jedoch die konzertanten Beiträge des Orchesters der „Königlichen Philharmonie in Lüttich“ mit Kompositionen von Rich. Strauss, Paganini, Glen Miller, Enr. Morricone und zum Schluss mit einem Extrakt aus „Carmen“ von George Bizet. Krönender Abschluss von allem war jedoch gegen Mitter- nacht ein riesiges Feuerwerk, dessen Feuerschein sich auf der fast windstillen Wasserfläche des großen Teiches vor dem angestrahlten Schlossgebäude spiegelte.


Am Sonntagmorgen hieß es dann früh aufstehen. Denn bereits um 9:00 Uhr ging die Fahrt in die etwa 20 km entfernte Stadt ATH. In dieser Stadt findet jeweils am letzten Sonntag im August ein großer, mehrstündiger Umzug mit den „Giganten von Ath“ statt. Dieser Event hat nicht nur in Ath eine große Tradition, sondern wird auch in anderen, zum Teil kleineren Städten und Gemeinde gefeiert. In Ath ist der Hintergrund zur Schaffung der „Giganten“ die biblische Erzählung des Kampfes zwischen David und Goliath. Teilweise bis zu 9 m hoch werden die Figuren der Giganten errichtet, wobei unter den Kleidungsstücken ein Gerüst aus Holz und Bambusrohr geschaffen wird. Je nach Größe kann ein Gigant mehrere Zentner schwer sein. Höhepunkt im Umzug war ein gigantisches Pferd, dass nach Aussagen von Kennern zwischen 600 und 700 kg schwer war und von neun Männern getragen wurde. Zu jedem der dargestellten Giganten gehört dann noch ein Fanfarenzug und ein wunderbar geschmückter Wagen.


Nach dem Umzug in Ath traf man sich wieder in Beloeil, wo für die Crosner und Schottener Teilnehmer, das Wochenende mit einem Abschlussessen beendet wurden, während die Gäste aus Maybole und Roccella Jonica am nächsten Tag mit dem Flugzeug den Weg nach Hause antraten. Beim Abschied wies der Vorsitzende des Schottener Verschwisterungsvereins bereits jetzt darauf hin, dass im Oktober des kommenden Jahres der Verein eine große Zahl von Gästen bei dem 50-jährigen Partnerschaftsjubiläum zwischen den Städten Beloeil/B – Crosne/F und Schotten, verbunden mit einer Internationalen Kunstausstellung in Schotten erwartet.