Zu ''Zukunftsgesprächen'' in der befreundeten Stadt Bogen/Bayern

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

(pd) Am Wochenende vom 07. bis 09. Juli 2017 begaben sich die Vertreter des Schottener Verschwisterungsvereins, Vorsitzender Hans Otto Zimmermann und Beisitzer Julian Zimmer auf Einladung des Partnerschaftsvereins Bogen in die befreundete bayrische Stadt an der Nahtstelle zwischen Donau und Bayrischem Wald. Präsidentin Elke Häusler des Bogener Partnerschaftsvereins wollte sich damit die umfangreichen Erfahrungen des Verschwisterungsvereins Schotten bei ihren Gesprächen mit Vertretern aus den bisherigen Partner- und befreundeten Städten Arco/I, Crosne/F, Arthez-de-Bearn/F und Wilhering/A und den neu hinzugekommenen Partnerstädten Slavonice in Südböhmen/CZ und Sortavala in russisch Karelien/RUS mit zu eigen machen. Leider hatten Arco, Crosne und Arthez abgesagt, sodass die Gespräche nur im engeren, dafür aber um so fruchtbareren Rahmen mit den Vertretern der neuen Partnerstädte erfolgte. Damit das alles nicht so „todernst“ statt fand, war der Besuch in Bogen mit dem Gedankenaustausch in das am gleichen Wochenende veranstaltete „Bogener Volksfest“ eingebaut worden, was an sich schon für die Gäste aus Slavonice und Sortavala ein besonderes Erlebnis war, weil derartige Festveranstal-tungen in so großer, lockerer Runde in den Heimatstädten nicht bekannt sind.

Das Treffen begann am Freitagabend, den 07.07. mit dem Vereinsausmarsch zur Eröffnung des Volksfestes. An die 1.000 Teilnehmer aus Vertretern der unterschiedlichsten örtlichen Vereine, der Handwerkerinnungen, des Stadtrates und des in Bogen stationierten Pionierbatallions zogen von Musikkapellen begleitet, vom Stadtplatz am Rathaus etwa 1,5 km durch die Innenstadt zum Fest-platz mit dem 2.500 Personen fassenden Festzelt, wo nach dem Marsch durch den heißen Som-merabend bei der Ankunft auch gleich dem Gerstensaft reichlich zugesprochen wurde.
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der „Zukunftsgespräche“ bei einer im Sitzungsaal des Rathauses angesetzten Besprechung. Eingangs stellte 1. Bürgermeister Franz Schedelbauer seine Heimatstadt den Gästen vor und schilderte die kommunalpolitische Situation. Dabei bemerkte er, dass aktuell mit das größte Problem sei, preisgünstiges Bauland sowohl für Wohn-zwecke als auch im industriellen und gewerblichen Bereich bereitstellen zu können. Durch die starke Nachfrage seien die Gestehungspreise überproportional in die Höhe geschossen. Die Stadt sei jedoch bemüht preisgünstiges Bauland zur Verfügung zu stellen, um auf der einen Seite jungen Familien die Möglichkeit zu erhalten ein Eigenheim zu bauen oder zu erwerben und auch den Unternehmen Anreize zu geben bei einer Expansion in der Stadt zu bleiben oder gar als Neuansiedler in die Stadt zu kommen. Elke Häusler hieß als Präsidentin des Partnerschaftsverein die Gäste willkommen. Ziel der Begegnung sei es in einem guten Mix aus jahrelanger Erfahrung in der Partnerschaftsarbeit und jungen Mitgliedschaften eine gemeinsame Basis für die zukünftige Arbeit zu finden und weiter zu entwickeln. Dabei sollten neue Wege der Begegnung ausgelotet werden, ohne auf erfolgreiche Themen aus der Vergangenheit zu verzichten. Mögliche neue Berührungspunkte sollten auf die Praxistauglichkeit untersucht werden. Hauptziel sei und bleibe bei allem, die Verständigung der Nationen zu vertiefen und dabei für die Freunde aus den Partnerstädten das Verständnis für die eigene Heimat und die bodenständige Kultur mit einzubringen. Als erfolgreiche Veranstaltung nannte in dieser Hinsicht Elke Häusler die praktizierten Schüleraustausche und vor allem die im wesentlichen von Schotten mitgetragene „Tour du Jumelage“. Dies sei für die neuen Partnergemeinden eine gute Gelegenheit die Partnerschaftsarbeit an sich und die jeweiligen Partnerregionen näher kennenzulernen.

Ehrenbürgermeister und Vorsitzender des Verschwisterungsverein Schotten H.O. Zimmermann erläuterte den Teilnehmern den Ablauf von Bürgerbegegnungen im Rahmen der „Tour du Jumelage“ oder aus anderen Anlässen. Ein wesentlicher Bestand dabei ist immer, dass sich Bewohner aus den Partner- und befreundeten Städten treffen und nicht in erster Linie politische Mandatsträger. Unter Beachtung dieser Vorgaben ist es dann auch möglich von der EU Zuschüsse für die Bürgerbegegnungen zu erhalten, wobei Zimmermann zugeben musste, dass das „dicke Bretter“ sind, die gebohrt werden müssen. Allein schon die Tatsache, dass ein solcher Förderan-trag und die gesamte Kommunikation dazu nur in den Sprachen englisch und französisch abgehandelt wird, erleichtert die Arbeit nicht. Dennoch lohnt es sich um Zuschüsse zu bemühen.

Diese Bürgerbegegnungen waren den Gästen aus dem ehemaligen Ostblock nicht bekannt. Wenn dort auf internationaler Ebene Treffen stattfanden, waren das meistens Treffen von Parteioberen oder -kadern, die Bürger waren dabei kaum eingebunden, höchstens zum Fähnchen winken. In weiteren Beiträgen kamen der Bürgermeister von Wilhering, Niederöstereich und die Vertreter aus Slavonice und Sortavala zu Wort. BGM Mario Mühlbeck, Wilhering, meinte, in seiner Gemeinde gebe es viele und gute Chöre und Musikvereine, die bei internationalen Wettbewerbern schon erfolgreich waren. In diesem Segment könnte er sich eine verstärkte Zusammenarbeit vorstellen, zumal er bereits vernommen habe, dass auch in Sortavala Chormusik einen hohen Stellenwert habe.Vizebürgermeister Karel Pavlu aus Slavonice schlug eine Intensivierung der Zusammenarbeit über die Schulen vor, denn der Jugend gehöre die Zukunft und Schüler und Jugendliche gehen vorurteilsfrei an die Begegnungen heran. Die Vertreter aus Sortavala, Bürgermeister Sergej Krupin und Vizebürgermeister Leonid Gulewitsch können sich eine verstärkte Zusammenarbeit sowohl auf kulturellem als auch auf sportlichem Sektor vorstellen. Nicht unerwähnt ließen die beiden Vertreter aus russisch Karelien, dass auch der internationale Tourismus zunehmend in ihrer Gegend an Bedeutung gewinnt. In den letzten Jahren seien – nicht zuletzt wegen der Investitionen in zeitgemäße neue Unterkünfte – die Tourismuszahlen um 30 Prozent gestiegen, dabei stehen die Deutschen und die Finnen mit an der Spitze. Zum Ende des Meinungsaustausches vereinbarten die Teilnehmer, dass der Partnerschaftsverein und die Stadt Bogen die Rolle eines Koordinators für die neuen Partner- und Freundesstädte übernehmen sollten. Bogen ist schon seit gut 15 Jahren in die Partnerschaftsarbeit eingebunden und kann deshalb eine gute Mittlerrolle übernehmen, beispielsweise auch, indem zunächst Interessierte aus den neuen Partnergemeinden als Beteiligte im Bogener Kontingent an den unterschiedlichsten Veranstaltungen teilnehmen, um die Gepflogenheiten der Partnerschaftsarbeit noch besser kennen zu lernen. Nach dem Beenden des Gedankenaustausches wurde das Treffen der Partnerstädte im „Goldenen Buch der Stadt Bogen“ festgehalten, wobei das beigefügte Foto (M.Meindl) entstand.