Zu Besuch in der europäischen Kulturhauptstadt 2015: M O N S

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

(pd) In den Tagen vom 24. bis zum 28. Juni fand die diesjährige 'Tour du Jumelage' der mit Schotten verbundenen Partner- und befreundeten Städte in der belgischen Stadt Mons im östlichen Teil der Region Heinau [Hennegau] statt. Mons, mit etwa 100.000 Einwohnern, ist im Jahr 2015 neben der tschechischen Stadt Pilsen eine der beiden 'Kulturhauptstädte' der Europäischen Union. Insgesamt nahmen aus den Partnerstädten Arco/I, Beloeil, Bogen/B, Crosne/F, Roccella Jonica/I und Schotten 87 Personen an der 'Tour du Jumelage' teil. Untergebracht waren die Teilnehmer im Wesentlichen in der neu errichteten Jugendherberge. Wem das allerdings doch zu spartanisch war, konnte sich – mit entsprechendem Preisaufschlag – auch in einem nahegelegenen Hotel einquartieren. Die Freunde vom Partnerschaftsverein Beloeil, unter dem Vorsitz des dortigen Präsidenten Philippe Cambier hatten sich große Mühe gegeben und ein umfangreiches und zugleich interessantes Programm für die gut vier Tage vor Ort zusammengestellt.


Das beigefügte Bild zeigt eine Aufnahme mit einem Großteil der insgesamt 87 Teilnehmer an der „Tour du Jumelage“ vor dem SILEX-Museum der Feuersteinfunde in der Nähe der Ortschaft Spiennes. (Weitere Bilder in der Galerie.)
 

Nach der Ankunft am 24.06. und Quartierbelegung gingen die meisten Teilnehmer schon einmal in der engeren Umgebung der Unterkunft auf Erkundungsgänge, um schon das eine oder andere Ziel der näheren Betrachtung für die nächsten Tage auszumachen. Am Vormittag des folgenden Tages erfolgte eine Stadtführung in der Muttersprache der einzelnen Gruppen. Insbesondere wurden dabei auch Hinweise zu einzelnen Vorhaben und Projekten der „Kulturhauptstadt“ gegeben. Schwerpunkt der Stadt-führung war aber die historische Entwicklung der Stadt Mons, die schon in der Römerzeit eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ein besonderer Anziehungspunkt war der „Grand Place“ mit dem sich unmittelbar anschließenden Rathaus, dem „Hotel de Ville“, ein Komplex aus mehreren imposanten Gebäuden, die mehrheitlich zum Beginn des 15. Jh. errichtet wurden. Den Abschluss des Stadtrundganges bildete der 87 m hohe Bergfried, das Wahrzeichen der Stadt Mons. Dieser Turm, ein Überbleibsel der früheren Schlossanlage befindet sich auf einer der höchsten Erhebung im Stadtgebiet von Mons, einem Hügel mit gerade einmal 63 m. Dennoch war von seiner Spitze das rundherum flache Gelände bestens einzusehen, so dass anrückende Feinde schon frühzeitig ausgemacht werden konnten.

Am Nachmittag des gleichen Tages stand der Besuch des Museums „Francois Duesberg“ an, ein Museum im Privatbesitz des Baron de Duesberg, der eine umfangreiche Sammlung wertvoller, zum Teil einmaliger Objekte sein Eigen nennt, die alle aus der Epoche von etwa 1790 bis zum Ende von Napoleon Bonaparte datieren.

Am Freitag, 26. Juni, erfolgte vormittags der Besuch einer Einrichtung, die zu den Objekten des Weltkulturerbes zählt und im mitteleuropäischen Raum fast das einzige Objekt dieser Art ist. Es ist dies die Fundstelle der steinzeitlichen, einstmals einer der größten Areale, wo sowohl im Tagebau als auch in bis zu 20 m tiefen Stollen Feuerstein abgebaut und zu Gebrauchsgegenständen und Waffen hergestellt wurde. Bekannt sind davon die Faustkeile, Äxte, Sicheln, Schaber, Klingen und viele andere Dinge, die bereits damals im Umkreis von bis zu 1.000 km in ganz Europa gehandelt und eingetauscht wurden. Mit finanzieller Unterstützung der EU befindet sich heute an dem archäologischen Ort ein Museum mit entsprechenden Ausstellungstücken aber auch noch immer eine Reihe von Ausgrabungsstellen, wo nach wissenschaftlichen Methoden von Fachleuten weiterhin Untersuchungen und Ausgrabungen vorgenommen werden.

Der Nachmittag war einem traurigen Teil der europäischen Geschichte gewidmet. Unweit der steinzeitlichen Ausgrabungsstelle befindet sich der Soldatenfriedhof von St. Symphorien, einer besonderen Gedenkstätte für gefallene Soldaten des I. Weltkrieges. Am 23.08.1914, wenige Tage nach Beginn des Krieges trafen in dieser Gegend in einer größeren Schlacht zum ersten Mal deutsche und britische Einheiten zu einem verlustreichen Kampf mit vielen Gefallenen auf beiden Seiten aufeinander. Die deutsche Heeresleitung suchte und fand im Kampfgebiet einen Ort der sich gut als Friedhof für die Gefallenen einrichten lies. Das Gelände gehörte jedoch einem Privatmann in diesem Ort und der war nur bereit das ihm gehörende Areal bereit zu stellen, wenn an dieser Stelle sowohl die letzte Ruhestätte für die gefallenen deutschen als auch britischen Soldaten errichtet wurde. Erstaunlich schnell willigten sowohl die deutsche wie auch die britische Seite zu diesem Vorschlag ein. So liegen auf diesem Friedhof, der heute vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gepflegt wird, insgesamt über 600 gefallene Soldaten beerdigt. Die deutschen auf der linken und die britischen auf der rechten Seite. Nach einer Rast mit Picknick auf dem Sportplatzgelände von St. Symphorien wanderte der größte Teil der Teilnehmer gemächlich die ca. 8 km Entfernung bis zur Jugendherberge Mons bei schönem Wetter zurück.

Am Samstag, 27.06., standen unterschiedliche Themen an. Der Vormittag war einer der benachbarten Städte von Beloeil gewidmet, der Stadt Ath, die jährlich am letzten Wochenende im August den Umzug der Giganten feiert. Die Darstellung der Giganten, Figuren in einer Größe von ca. 4 m Höhe, die aus einem Korbgeflecht von speziell eingekleideten Weidengerten mit Köpfen aus Pappmaschee, bestehen, haben ein durchschnittliche Gewicht von 130 kg und werden abwechselnd jeweils 10 Minuten von einer Gruppe von 12 kräftigen Männern getragen und zum Tanz gedreht. Das Fest der Giganten geht auf die biblische Geschichte von David und Goliath zurück und wird in Ath seit dem 15 Jh. begangen. In der jüngeren Zeit sind auch andere Personendarstellungen in den Umzug einbezogen worden.

Der krönende Abschluss aller Besichtigungen war dem Samstagnachmittag vorbehalten. Unweit der Stadt Beloeil befindet sich an dem kleinen Flüsschen Dender die Ortschaft Lessines. In diesem Ort befindet sich seit der Zeit um 1242 das „Hopital de Rose“ oder auch „Hôtel-Dieu“ – „Hotel Gottes“ genannt. Dieses „Hotel Gottes“ beruht auf einer Schenkung einer adeligen Familie aus 1242, die damit einen Teil ihres Besitzes für die Einrichtung einer Kranken- und Hospizstation stifteten, wo seit dieser Zeit an bis 1987 Kranke und Hilfsbedürftige von Nonnen eines Augustinerklosters gepflegt und betreut wurden. Das Besondere an diesem „Hopital de Rose“ ist, das es etwa 200 Jahre älter als das weltbekannte „“Hospis de Beaune“ in Burgund ist, und dass es von seinem Anfang im Mittelalter an bis zum Schluss ein Ort der Krankenpflege und der medizinischen und pharmalogischen Forschung gewesen ist. Bedeutsam ist ferner, dass die Aufzeichnungen über die Tätigkeiten aus fast acht Jahrhunderten fast alle noch komplett erhalten sind. Deshalb zählt die Einrichtung verständlicherweise zu den Objekten des Weltkuturerbes.

Der Abend des 27.06. war der Abend, wo sich die einzelnen Delegationen mit einem kleinen kulturellen Beitrag präsentierten, dem Komitee des Partnerschaftsvereins Beloeil in Worten und mit einem kleinen Präsent für die gelungene Veranstaltung der „Tour du Jumelage 2015“ bedankten. Der Partnerschaftsverein der Stadt Bogen sprach gleichzeitig eine Einladung für die „Tour du Jumelage“ im kommenden Jahr 2016 in Bayern aus. Am Sonntagmorgen, nach dem Frühstück, verabschiedeten sich die Teilnehmer sehr freundschaftlich und traten wieder die Rückreise in die Heimatorte an. Die Schottener Delegation stand unter der Leitung des Vorsitzenden des Verschwisterungsvereins Schotten,

Hans Otto Zimmermann.