Was Verbindet Schotten mit Schodnia in Oberschlesien?

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

Am letzten Wochenende im August weilte eine vierköpfige Delegation des Verschwisterungsverein Schotten in der befreundeten polnischen Stadt Ozimek. Die Delegation bestand aus dem Ehrenvorsitzenden Klaus Appel und den Vorstandsmitgliedern Walter Lamp, Gernot Schobert und Hans Otto Zimmermann. Es gab gleich vier Anlässe zu denen die Stadt Ozimek Abordnungen aus den Partner- und befreundeten Städten eingeladen hatte. Der Stadtteil Schodnia, eine der größeren Orte in der mit Schotten befreundeten Stadt in Oberschlesien feiert jeweils im 5-jährigen Rhythmus seine Stadtgeschichte. Dieses Mal wurden 530 Jahre Schodnia gefeiert. Parallel dazu wurde das 30-jährige Jubiläum der neu gebauten katholischen Kirche in Schodnia begangen. Ein großer Teil der Feierlichkeiten entfiel auch auf das 25-jährige Bestehen des Deutschen Freundeskreises (DFK) in Schodnia, denn heute wohnen noch viele Deutschstämmige als Minderheit im Gebiet von Ozimek, ca. 20 km östlich von Oppeln. Krönender Abschluss des Feierreigens war die Feier des Erntedankfestes von allen zehn Stadtteilen Ozimeks in einem gemeinsamen Gottesdienst und anschließendem Umzug in Schodnia.

Nach einer achtstündigen reibungslosen Fahrt wurde die Schottener Delegation am Freitag-nachmittag von dem Ozimeker Bürgermeister Jan Labus und weiteren Mitgliedern der dortigen Partnerschaftskommission im Hotel am Rande des Turawa-Stausees begrüßt und willkommen geheißen. Neben Schotten waren noch die Partnerstadt Heinsberg (NRW), die gemeinsame tschechische Partnerstadt Rýmarov und die ''Mammut''-Stadt Prerov/CZ vertreten. Der Freitagabend war der Stadtteilfeier für 530 Jahre Schodnia vorbehalten und wurde von einer großen Zahl von Ortsbürgern im Festzelt und dem Freigelände begleitet. Ein Historiker von der Universität Oppeln ging in einem Beitrag auf die geschichtliche Entwicklung von Schodnia ein und sparte dabei auch nicht die jüngere Geschichte im letzten Jahrhundert aus. Mit einem Dank und Überreichen von Diplomen an eine Reihe verdienter Ortsbürger durch die Ortsbürgermeisterin J. Wiedera wurde der festliche Teil abgeschlossen und Musik und Tanz machten sich breit.
Der Samstag stand vom Vormittag bis zum Nachmittag im Zeichen der prähistorischen Funde, welche vor mehr als 15 Jahren im Gebiet des Stadtteiles Krasiejów gemacht wurden. Damals wurden in einem Tagebau für Tonerde drei komplette Skelette von speziellen Dinosauriern gefunden, die nach wissenschaftlichen Untersuchungen der Universität Warschau auf ein Alter von etwa 250 Millionen Jahren geschätzt werden. Neben der noch heute andauernden wissenschaftlichen Untersu-chung, bei der weitere tausende Fragmente paläontologischer Funde entdeckt wurden und für die ein eigenes Gebäude geschaffen wurde, hat sich eine Privatinitiative dazu entschlossen seit 2010 im Anschluss an die Fundstelle einen mehrere Hektar umfassenden Freizeitpark, den JURA-Park, zu schaffen und auszubauen. Diese Idee wird von der Bevölkerung aus ganz Polen gerne angenommen, wie sich an Hand der vielen KFZ aus allen Teilen Polens und des benachbarten Auslands feststellen lies, die an diesem Samstag auf dem stark frequentierten Parkplatz zu beobachten waren. Neben dem Freizeitpark hat sich mittlerweile auch eine ansprechende Hotellerie und Gastronomie etabliert, die den westeuropäischen Standards entspricht, sich aber auf dem Preisniveau der örtlichen Situation bewegt, also für Besucher aus Mittel- oder Westeuropa durchaus interessant ist. Die prähistorischen Funde sind auch die Grundlage für die Freundschaft zu der tschechischen Stadt Prerov, südlich von Olmütz gelegen. Im Gebiet der Stadt wurde bei Ausgrabungen das Skelett eines urzeitlichen Mammuts gefunden, das in Prerov ähnliche Entwicklungen wie in Ozimek ausgelöste hat.
Der Samstagabend war dann dem feierlichen Rahmen zum 25-jährigen Bestehen des DFK (Deutschen Freundeskreis) vorbehalten. Dabei war von den Akteuren zu erfahren, dass die Anfänge noch in die Zeit der kommunistisch dominierten Jahre zurückreichen. Auch wenn es damals verboten war deutsch zu sprechen, so wurde in den vielen deutschstämmigen Familien die Sprache und das Brauchtum weiter gepflegt. Nach der politischen Wende war und ist das kein Problem mehr und neben der englischen Sprache wird in allen Schulen heute wieder deutsch unterrichtet, weil auch besonders viele Familien noch heute und zum Teil durch die Verlagerung des Arbeitsplatzes von Familienangehörigen in die Bundesrepublik wieder verwandtschaftliche Beziehungen nach Deutschland haben.
Der Sonntag war traditionell nicht nur der Kirche und dem Gottesdienst vorbehalten, sondern sowohl die Vertreter von landwirtschaftlichen Organisationen als auch die politischen Repräsentanten einschließlich dem Vizelandrat des Kreises Oppeln fanden sich zusammen, um nach dem Gottesdienst in einem mehr als 1 ½ -stündigem Umzug durch Schodnia das gemeinsame Ernte-dankfest der Bürger der Stadt Ozimek und ihrer zehn Stadtteile zu begehen. Neben dem Umzug, der in vielen Facetten eher einem unserer Karnevalsumzüge gleichzusetzen war, waren einige Wagen sehr stark dem historischen Brauchtum gewidmet. Aus jedem Stadtteil war ein Wagen vertreten, auf dem von einer Gruppe, zum Teil in alten oberschlesischen Trachten, eine wunderbar gebundene Erntekrone mitgeführt wurde. Wie von örtlichen Vertretern zu hören war, treten diese Erntekronen in einem Wettbewerb gegeneinander an, in dem zuletzt die schönste Erntekrone des Kreises Oppeln ermittelt wird. Den Abschluss des Erntedankfestes mit dem Umzug bildete dann die traditionelle Segnung und Übergabe eines Laib Brot durch die 'Ortsbürgermeister' an den Bürgermeister der Stadt Ozimek. Mit diesem Brauch wird, neben dem Dank der Landwirte für das Gelingen der diesjährigen Ernte auch die Bitte an Gott ausgesprochen, auch im kommenden Jahr wiederum eine gute Ernte einfahren zu können. Gepaart mit der Auffrischung von bereits seit langen Jahren bestehenden Freundschaften zu Bürgern in Ozimek und Schodnia und mit vielen neuen Erkenntnissen aus der Entwicklung von Ozimek und Schodnia in der jüngeren Zeit kam die Schottener Delegation wohlbehalten wieder in der Sonntagnacht zu Hause an.