Wald-, Jagd- und Forsttage in Römerstadt

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Diese Nachricht freute Gernot Schobert, zweiter Vorsitzender des Verschwisterungsvereins Schotten, sowie seine Vorstandskollegen Helga Fuchs und Julian Zimmer: Pavel Kolar und Miroslav Slovacek (beide sind ehemalige Bürgermeister von Römerstadt) sowie das Vereinsmitglied Anna Kolar erwähnten beim Besuch einer aus acht Personen bestehenden Delegation aus der Vogelsbergstadt in Rymarov, dass dort im Herbst ein Partnerschaftsverein gegründet werden soll. Während ihres Besuches in der mährischen Stadt am Fuße des Altvaters erlebten die Oberhessen eine überwältigende Gastfreundschaft. Dafür dankten Bürgermeisterin Susanne Schaab und Barbara Steffani Velden (stellvertretender Vorsitzende des Verschwisterungsausschusses) bei der Verabschiedung im Hotel Excelent Bürgermeister Petr Klauda und seiner Stellvertreterin Marcela Stankova.

Im Mittelpunkt des Kurzbesuches standen die Forst-, Holz- und Jagdtage, die seit 1969 regelmäßig im Park Hedva stattfinden. Hierbei kamen die mitgereisten Fachleute, Forstoberinspektor Helmut Daniel und Jäger Kurt Schauermann, auf ihre Kosten. Auch Willi Lückel, Leiter der Vogelsbergschule, hatte die Möglichkeit, am Rande einige interessante Gespräche mit Kollegen zu führen. Aus der polnischen Partnerstadt Ozimek waren Bürgermeister Jan Lebus mit einer Delegation und aus Krompachi (Slowakei) Bürgermeisterin Iveta Rusinova mit Abordnung gekommen, die Gruppe aus Arco führte Vize-Bürgermeister Stefano Bresciani an. So wurde die Veranstaltung auch zu einer Begegnung unter Freunden.  Besonders beeindruckend war das große Treffen zum gemeinsamen Abendessen, zu dem neben den Delegationen auch viele Kommunalpolitiker, Freunde der Verschwisterung und Sponsoren der Forst-, Holz- und Waldtage gekommen waren. Dazu unterhielt „Hudci z Kyjova“  mit Cimbalmusik.

Die Schottener waren wegen der etwas über 800 Kilometer langen Reisestrecke schon einen Tag früher abgefahren. Sie erreichten die Partnerstadt über Görlitz durch Polen, wo sie nur wenige Kilometer an Ozimek verbeifuhren, nach etwa zehn Stunden Fahrtzeit. Nach dem Verlassen der Autobahn in der Nähe von Oppeln ging es auf kleinen Straßen durch eine bewaldete hügelige Landschaft. Nach dem Abendessen im Hotel ging es auf Einladung von Vera Sabova und ihrem Mann František in deren Partykeller. Das Paar betreibt eine kleine Pension. Hier wurde den Schottenern reichlich Essen und Trinken angeboten. Die, die zum ersten Mal in Römerstadt waren, waren von der großen Gastfreundschaft überwältigt.

Am zweiten Tag hatte Bürgermeister Petr Klouda zum Empfang ins Rathaus eingeladen. Morgens um 9 Uhr schon ein Glas Schnaps zum Willkommen, für die Oberhessen recht ungewöhnlich. Er stellte den Gästen seine Stadt vor, die einschließlich der zehn Stadtteile rund 8600 Einwohner hat, Tendenz ist abnehmend. Jeder Stadtteil hat noch einen hauptamtlichen Bürgermeister. Die Arbeitslosigkeit ist von 14 auf acht Prozent gefallen, das liegt laut Bürgermeister aber daran, dass in seiner Stadt im Durchschnitt der niedrigste Lohn gezahlt wird.

Weiter ging es dann ins Umland, durch das Thermalbad Karlsbrunnen mit eisenhaltigem Mineralwasser und der saubersten Luft in der Mitteleuropa in die Glasbläserei „Jakub“ nach München bei Würbental. Dort bestaunten die Oberhessen das handwerkliche Können der beiden Glasbläser. Hier wurden auch einige Mitbringsel erworben.

„Eine Stunde“, mit dieser Zeitangabe hatte Petr Pecha, Leiter der Gruppe für Entwicklungsprojekte in der Region Rymarov, eine Wanderung auf den Spuren des Gletschers im schmackhaft gemacht. Doch in zwei Stunden wurden auf dem Lehrpfad „Großer Kessel“ gegenüber des Altvaters 700 Höhenmeter und weitaus mehr als ein Kilometer zurückgelegt. Die anstrengende Klettertour wurde durch eine herrliche Vegetation und einen grandiosen Fernblick belohnt. Zurück in Römerstadt gab es einen kurzen Besuch auf dem Sportplatz, auf dem ein Freundschaftsspiel der Fußballer aus Römerstadt und Ozimek (Malapane) stattfand.

Am dritten Tag galt das Interesse der Schottener und Arcoer zunächst dem Heimatmuseum, durch das Jana Stolvova führte. Hier, in diesem kleine Haus am Rande des Marktplatzes, der vor einigen Jahren neu umgestaltet wurde, befinden sich in einigen Räumen Relikte aus vergangenen Zeiten, auch aus dem Jahr 1947, in dem die Deutschen aus der Stadt vertrieben wurden.

Weiter ging es durch die schön restaurierte saubere Innenstadt über das neu verlegte Pflaster in die Lindenkirche, ein Kleinod des nordmährischen Barockstiles. Auf dem Fußweg zum Park lag die Textilfabrik Hedva. Die Textilindustrie war einst eine wichtige Erwerbsquelle für die Bevölkerung. Mittlerweile existiert nur noch diese eine Fabrik, hier arbeiten etwa 12o Leute, vorher ging die Zahl der Beschäftigten in die Tausende. Besonders das Brokatzimmer hatte es den Schottenern angetan. Im Museum war einiges aus der Glanzzeit dieser Branche zu sehen.

Holzfällerwettbewerb, Waldpädagogik, Wald- und Gartentechnik, Rückepferde bei der Arbeit, Greifvögel, Kinderattraktionen und viele Buden mit Handwerklichem machten den Besuch des Holz-, Wald- und Jagdtages zu einem besonderen Erlebnis. Für die Gäste war ein VIP-Zelt aufgebaut, in dem es reichlich Essen und Trinken gab. Nach einem Bummel durch den großen Hedva-Park unternahm ein Teil der Gruppe einen Ausflug in die Umgebung mit Kreuzweg, Kaffee beim  Arboretum und Steingarten bei  dem Ort Paseky. Vorbei an der Eulenburg ging es zurück nach  Rymarov. Andere erholten sich im Hotel. Gut 2000 Besucher wurden dann am Abend beim Konzert der bekannten tschechischen Gruppe „Olympic“ gezählt. Bereits vorher hatten hier Musikgruppen gespielt, und auch nach dem Auftritt der Stars wurde weiterhin Musik geboten. 

Die Imbiss- und Getränkestände waren sehr umlagert, es bildeten sich Schlangen, in denen die Tschechen geduldig warteten, bis sie bedient wurden. Gefeiert wurde recht lange an Bauerei-Garnituren oder auf Decken auf dem Rasen im Park.