Bericht von der Tour

Bild des Benutzers Gernot Schobert

Schotten. „Wir schenken Euch unsere Freundschaft“. Mit diesen Worten dankte Pavel Kolar, der frühere Bürgermeister aus dem tschechischen Rymarov (Römerstadt), dem Verschwisterungsverein Schotten und allen Teilnehmern der  „Tour du Jumelage 2018“. Beim letzten gemeinsamen Frühstück der 108 Teilnehmer aus Arco und Roccella Jonica (Italien), Beloeil (Belgien), Crosne (Frankreich), Rymarov (Tschechien), Bogen (Bayern) und Schotten im „Ahorn-Berghotel“ in Friedrichroda  drückte das Vorstandsmitglied der Rymarow-Verschwisterung das aus, was die Gruppe an vier Tagen an herzlicher Freundschaft erfahren durfte.

Die Schottener hatte für die Tour mit Thüringen ein Bundesland ausgewählt, das in vieler Hinsicht in der deutschen Geschichte eine große Bedeutung hat. So führte ein Ausflug nach Weimar, wo die internationale Gruppe in mehrsprachigen Führungen die Stadt von Goethe und Schiller kennenlernte. Erfurt begeisterte wegen seines herrlichen Domes und der bekannten Krämermarktbrücke. Das ist eine steinerne Brücke über die Gera, auf der sich auf der Vorderseite kleine Geschäfte befinden, „hinten“ sind Wohnhäuser. Diese herrliche Kulisse  beeindruckte besonders. Beeindruckend waren auch Architektur, Kunst und Reichtum der Wartburg. Hier sahen die Besucher die Burg, das Museum und den Raum, in denen Martin Luther die Bibel übersetzte. Ein Wermutstropfen war das Wetter. Am Tag der Anreise herrschten über 30 Grad Celsius, dann setzten Kälte und Regen ein. Eine Wanderung durch die geologisch einmalige „Drachenschlucht“ bei Eisenach wurde noch während der Hinfahrt kurzfristig abgesagt. Stattdessen ging es ins AWE-Museum, das einen guten Einblick in die Automobilindustrie der Stadt gab. Hier wurden BMW gebaut, nach der Besetzung durch die Sowjets hießen diese Pkw dann ESW. Speziell die technisch ausgereiften BMW-Motorräder wurden als Reparation in die Sowjetunion geliefert, Wartburg und jetzt Opel sind die nächsten Erzeugnisse aus Eisenach.

Das Wetter ließ die zweite Wanderung, eine Tour von Friedrichrode zur nahen Marienglashöhle, zu. Durch Wälder ging es über das Gelände einer Fischzucht zu der Mine, in der unter Tage 125 Jahre lang Gips abgebaut wurde. Die Kristalle wurden unter anderem für den Bau von Fenstern in Kirchen verwendet, daher der Namen Marienglas. Seit 1903 ist die „Höhle“ - mit Unterbrechung von 1943 bis 1968 ­– ein Schaubergwerk.

Gemeinsam zitterte die internationale Gruppe am Fernsehen bei den Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach dem hohen belgischen Sieg über Tunesien freuten sich alle auch danach noch über den Erfolg der Löw-Truppe.

Nicht nur wegen des Fußballs, auch wegen der Tatsache, dass der Abschiedsabend recht lange dauert, hatte der Vorstand des Verschwisterungsvereins diese Veranstaltung auf den Freitag verlegt. Die große Frage ist da immer, welches Land welchen Beitrag haben wird. Seit Jahrzehnten überraschen die Gäste immer wieder durch ihre künstlerischen Darbietungen. Den Auftakt machten die Schottener mit dem „Rennsteig-Lied“, schließlich befand man sich in unmittelbarere Nähe dieses bekannten 170 Kilometer langen Wanderweges. Die Schottener Prinzessinnen, Rosamund (Carolin Weber) und Dichamund (Annemarie Spamer), hießen die Gäste willkommen und erzählten von der Entstehung ihrer Stadt. Bürgermeisterin Susanne Schaab dankte dem Verschwisterungsverein für die Ausrichtung der Tour und übergab jeder Delegation ein Geschenk zum Andenken. Beim „Ave-Maria“-Solo von Vera Sabova  aus Rymarov lief gar manchem ein Schauer über den Rücken, der weitere Gesangsbeitrag „Rosamunde“ ist weltweit bekannt und wurde von allen mitgesungen. Die Gäste aus Roccella Jonica (Kalabrien) sangen und spielten die Geschichte von „Il ciuco“, einem Esel, den sein Bauer mehr liebte als seine Frau. „Sitzen bleiben verboten“, so konnte man den Beitrag aus Crosne beschreiben. Die kostümierten Franzosen holten sich Tänzer und Tänzerinnen aus dem Publikum. Die Bogener stellten ein „kleines Kammerorchester“, bei dem die Solisten die Instrumente imitierten. Einen Tanz gab es von der Beloeilern zu einem Lied von Amie Cordy. Die Arcoer, die größte Gruppe, sangen mit „La Montanara“ ein Lied aus den Bergen. Ob sie dafür wirklich nur fünf Minuten geprobte hatten, wie Vorsitzender Lino Rosa erklärte, konnte bezweifelt werden, denn die Gruppe war seit Anfang der Woche in Deutschland unterwegs. Mit Geschenken dankten die Gäste dem Vorstand des Verschwisterungsvereins mit Vorsitzendem Dieter Eickhoff, dessen Stellvertreter Julian Zimmer und Rechner Robert Pitz. Letzterer hatte auch die Wanderungen ausgearbeitet. Mit einem Plädoyer für ein geeintes Europa endete das Programm, danach wurde noch lange gefeiert und getanzt. Vom 3. bis 7. Juli 2019 findet die nächste Tour in Reims statt, zu der die Abordnung aus Crosne schon jetzt einlud.