Ein verregneter Sommer

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Hohe Auszeichnung für Arcos scheidenden Pfarrer Don Luigi Amadori – Neues Sportgeschäft

Von Gernot Schobert
Schotten/Arco. Die meisten Sommerurlauber sind in diesem August am Gardasee nicht auf ihre Kosten gekommen. Im August gab es nur wenig Sonnentage, meist regnete es einmal am Tag. Das sorgte landesweit für Krisenstimmung im Fremdenverkehr: So klagen unter amderem viele Eisdielen-Betreiber in Bozen über ein schlechtes Geschäft. Solche Klagen waren in Arco nicht zu hören, die Gastronomie war mit den Umsätzen zufrieden. Es ist verständlich, dass bei Regen die Gassen und Plätze wie leer gefegt waren, aber sobald die ersten Sonnenstrahlen aus den Wolken lugten, füllte sich die Innenstadt mit Leben. Die „Schleckermäuler“ haben in der Einkaufsstraße Via Segantini und im Gebiet um Rathaus und Kirche die Möglichkeit, in vier Geschäften Eisspezialitäten zu genießen, ein fünftes wurde in diesem Jahr gegebenüber des Hotels Olivo/Springbrunnen eröffnet. Einen Euro zahlt man in den meisten Eisdielen für eine „Spachtel“ Eis (entspricht einer Kugel).
Große Wassermassen füllten den Sarche-Fluss an dem Tag, als zwischen Arco und Trento einige Wehre geöffnet wurden. Die Feuerwehr von Riva musste im See Schutzsperren errichten, damit das von den Fluten angeschwemmte Holz keine Schäden in den Hafenbereichen anrichten konnte.
„Großer Bahnhof“ herrschte in Arco, als das 17. Sportgeschäft (überwiegend Klettererbedarf) in der Innenstadt eöffnete. Dort, wo vor Jahren Zamboni Textilien verkauft hatte, ist ein neuer Trend-Laden entstanden. Zum Auftakt gab es belegte Brötchen und Getränke für alle.

„Nicht ins Wasser gefallen“ ist die Gedenkfeier der Alpini von Arco am Ehrenmal am Monte Velo oberhalb des Stadtteils Bolognano. Es regnete in Strömen und war frostig, als die Flagge gehisst wurde. Auch die Messe und die anschließende Kranzniederlegung fanden unter dem Schutz vieler Schirme statt. Nach gut einer Stunde klarte der Himmel auf. Auf einem Nachbar-Grundstück gab es für die rund 100 Besucher in kleinen Zelten Wasser, Wein, Kaffee und Grappa und15 Kilo Pasta.


An der Prozession am gleichen Abend durch Arcos Innenstadt nahmen mehrere hundert Gläubige teil, sie folgte der Madonna der Maria, die von kräftigen Männern getragen wurde.


Von dem Leben in der Innenstadt kann man in Schotten nur träumen. An einem Donnerstagabend wurden zwischen 21.30 und 21.45 Uhr zwischen Piazza 3 November und Via Segantini 112 Personen gezählt, zwischen 21.47 und 21.57 Uhr waren es in entgegengesetzte Richtung 106 Menschen – Touristen und Einheimische, die Eis schleckten oder aus einem der kleinen Restaurants kamen. Von der viel beschworenen Krise war nichts zu merken.
Wandel im Handel wird jedes Jahr in der Via Segantini deutlich. So hat heuer die Bar Maggio neue Besitzer gefunden, die es auch geschafft haben, dass sich die Plätze an den Tischen jeden Abend füllen. Hier in der Bar Moderna hat man sich entschlossen, Zweier-Tische auf die Straße zu stellen, damit dort Pärchen sitzen können. Im Bedarfsfall kann man die Tische zu größeren Einheiten zusammenstellen. Der Friseurladen ist geschlossen worden, in dem Geschäft werden Cremes und Salben aus Oliven angeboten. Die Parfümerie Emanuelli hat Anfang des Jahres geschlossen, das Haus, in dem sie sich befand, wird immer noch umgebaut. Es war nicht zu erfahren,wer hier später einmal ein Geschäft eröffnet. Der kleine Schmuckladen in der Via Segantini hat Anfang des Jahres geschlossen, als sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein großer Mitbewerber niedergelassen hatte. In dessen Räumen neben der Kirche war das 15. Sportgeschäft eröffnet worden, etwa zeitgleich hatte sich ein weiterer Anbieter in der Via Segantini niedergelassen.
Die Arbeiten am neuen Jugendzentrum in Prabi sind abgeschlossen. Dessen Einweihung soll im Oktober stattfinden. Direkt gegenüber des „Glaspalasts“ werden derzeit – während des laufenden Betriebs – die Vorbereitungen für das nächste Rock-Master, die Meisterschaften der Freikletterer Anfang September, getätigt.

Für Schlagzeilen sorgte der Tod zweier junger Base-Jumper (Fallschirmspringer von festen Objekten). Sie waren beim Sprung vom Felsen „Becco dall´ Aquila“ im Nachbarort Dro in die Tiefe gestürzt und dabei ums Leben gekommen. In den vergangenen 20 Jahren starben bisher zwölf Menschen bei diesem Sport. Im August waren das eine junge Russin und ein junger Spanier.
Ärger gibt es derzeit mit den „Nomaden“, so werden die Menschen ohne festen Wohnsitz genannt, die mit Wohnmobilen durch Italien ziehen. Viele von ihnen haben sich den Parkplatz des „Penny-Marktes“ auf der Straße nach Riva ausgesucht, was der Bevölkerung missfällt.
Dekan Don Luigi Amadori, 16 Jahre lang katholische Pfarrer im Stadtzentrum und dem Stadtteil San Giovanni, verlässt Ende des Monats September Arco. Er war hier 16 Jahre lang Seelsorger. Die Arcoer liebten ihn wegen seines offenen Wesens, für alle hatte er Zeit für ein Gespräch. Sein größtes Werk ist der Neubau das Oratoriums, das vor zwei Jahren eingeweiht wurde. Dabei handelt es sich um ein kirchliches Gemeindehaus mit großer Halle, Funktionsräumen und einer Sportanlage. Auch die Verschwisterung war ihm eine Herzenssache, so hat er gute Kontakte zu seinem Schottener Amtsbruder. Gruppen aus der Partnerstadt im Vogelsberg waren bei ihm zu Gast (zuletzt im Juli auf dem Weg nach Rom), und die oberhessischen Reservisten waren oft bei verschiedenen Anlässe in seinen Messen. Für seine Verdienste bekam er von Bürgermeister Alessandro Betta die silberne Ehrengabe (es ist die dritte, die bisher vergeben wurde) am Tag seines 62. Geburtstags während eines Konzerts mit klassischer Kirchenmusik.



Neben dem Blumenschmuck sind die Besucher auch immer wieder von der Sauberkeit des Ortes beeindruckt. Jetzt wurden am Ufer des Sarcaflusses Fahnenmasten aufgestellt, an denen die Flaggen vieler Länder wehen – eine besondere Begrüßung der vielen ausländischen Gäste.