Neues aus Arco

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Schotten/Arco (gs). Weihnachtsmärkte sind  im Trentino zur Touristenattraktion geworden. Mit dem Rekord von 200000 Besuchern an einem verlängerten Wochenende in Trient kann Arco nicht mithalten. Doch auch in Bussen, Wohnwagen und vielen Pkw reisen sie in Schottens Partnerstadt am Gardasee zum Mercatino di Natale (Weihnachtsmarkt) an. Der findet vom 18. November bis 8. Januar überwiegend in der Innenstadt rund um die Kirche statt. Die 41 Buden und Stände sind freitags bis sonntags sowie vom 26. Dezember bis 3. Januar täglich geöffnet. Hier gibt es wie in Deutschland Glühwein, andere Getränke, deftige und süße Speisen oder Handgemachtes von Kitsch bis Nützliches. Eine Bimmelbahn, stets bis auf den letzten Platz mit Kindern und Erwachsenen besetzt, dreht ihre Runden. Wer keine Motorisierung mag, der genießt eine Tour auf dem Rücken der Ponies. Dazu gibt es ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm mit als Höhepunkt einem Feuerwerk über dem Felsen mit der Burg. In der Innenstadt wurden große Reproduktionen der Werke des bekannten Arcoer Maler Giovanni Segantini aufgestellt. Wer ein wenig abseits durch die kleinen verwinkelten Gassen unterhalb der Burg bummelt, entdeckt dort viele Krippen, die in der Weihnachtszeit hier ausgestellt sind. Auch die Geschäftsleute profitieren von den vielen Besuchern, die sich im Einzelhandel mit Geschenken eindecken und in den Bars und Restaurants einkehren. In Sachen Übernachtungen spielen die Weihnachtsmärke keine besonders große Rolle. Viele Besucher, von denen einige sogar bis aus Neapel kommen, fahren am selben Tag wieder heim. Neben Trient, Bozen, Rovereto oder Levico führen jetzt auch viele kleine Orte Weihnachtsmärkte durch. Zwar dauern die nicht so lange wie der „Mercatino“ in der Partnerstadt, doch diese locken Neugierige an, die dann nicht nach Arco kommen.

Voller Spannung und Vorfreude haben die Kinder den Auftritt von Santa Lucia erwartet. Die Heilige, deren Gesicht verhüllt ist, begrüßte die Jungen und Mädchen und überreichte ihnen kleine Geschenke. Normalerweise trägt sei einen Kranz aus brennenden Kerzen auf dem Haupt, in Arco war das aber nicht der Fall. Ihr Auftritt war in der Kernstadt und in vielen Stadtteilen von Arco. Die kleinen Päckchen enthielten Orangen und Süßigkeiten. Die Helfer von Santa Lucia (das sind spezielle Gruppen aus den Orten oder von der Kirche) schenkten heißen Kakao und Glühwein aus und spendierten den zahlreichen Besuchern Kuchen.

Politisches Erdbeben in Arco? Bürgermeister Alessadro Betta sieht es gelassen, dass Mauro Ottobre, ehemaliger PATT-Abgeordneter im Parlament in Rom, den Vorsitz in der Stadtverordnetenversammlung in Arco abgegeben hat und zur Opposition (gruppo misto) wechselte. Neuer Parlamentschef ist Flavio Tamburini, der Ottobres Stellvertreter war. Mauro wurde 2008 Abgeordneter im Parlament von Trient (entspricht unserem Landtag). Er kam 2013 bei der Wahl der italienischen Abgeordnetenkammer über die Liste PATT (Partito Autonimista Trentino Tirolese)/SVP (Südtiroler Volkspartei) auf dem vierter Platz der Landesliste ins römische Parlament.  Der 42-Jährige hatte in diesem Sommer für das Amt des PATT-Generalsekretärs kandidiert, unterlag aber bei der Abstimmung dem seitherigen Amtsinhaber. Im Juni trat er aus der PATT-Fraktion in Rom aus, behielt aber sein Mandat als Vertreter der „Autonomia dinamica“ (dynamische Autonomie). Bei der nächsten Kammerwahl will er nicht mehr kandidieren. Viele, die sich in der Arcoer Kommunalpolitik auskennen, meinen, er strebe 2020 das Bürgermeisteramt in Arco an.

Für politische Diskussion sorgte eine verkehrspolitische Maßnahme von Bürgermeister Betta. Er hat die Via Pomerio, an der befinden sich der Sportplatz und das Alten- und Pflegeheim „Regina“, in eine Einbahnstraße umgewandelt. Diese darf jetzt nur noch von der Straße aus, die von der Sarca-Brücke her kommt, befahren werden. Gleichzeitig wurde dort ein breiter Radweg ausgewiesen, der darf aber in beide Richtungen benutzt werden.

Für Schlagzeile sorgte ein etwa dreijähriger Bär, der im Stadtteil Prabi (dort befinden sich zwei Campingplätze und das Schwimmbad) gesehen wurde. Vor diesem jungen „Meister Petz“ hatte niemand Angst, aber von dessen Mutter. Das Tier wurde trotz intensiver Suche durch Jäger aber nicht gefunden, und auch das Junge ist mittlerweile wieder verschwunden.

In Arco nehmen die Kommunalpolitiker die Jugend ernst. Bürgermeister Alessandro Betta hat in diesen Tagen die „neuen“ 18-Jährigen empfangen. Die 174 Bürger des Jahrgangs 1998 wurden dabei in lockerer Runde über ihre Rechte und Pflichten als Erwachsene informiert und durften sich anschließend ins „Goldene Buch“ eintragen.

Das „Casino“, der Festsaal aus der Zeit, als Arco noch bei Österreich war, ist in den vergangenen Jahren renoviert worden. Jetzt haben sich die Handwerker einen weiteren Abschnitt vorgenommen. Die große Veranda wird saniert, der Boden und das Geländer werden instandgesetzt. Zudem wird auch der Pavillon auf Vordermann gebracht. Die Kosten hierfür betragen 200000 Euro, die Arbeiten am Pavillon zahlt ein Sponsor.

Davon kann der Schottener Verschwisterungsverein nur träumen. Seine Partnerorganisation „Arco obiettivo Europa“ hatte seine Mitglieder zur Jahresabschlussfeier in die Pizzeria „Peter Pan“ eingeladen. Gekommen waren über 120 Mitglieder und deren Familienangehörige. Sie entrichteten bei dieser Gelegenheit ihren Jahresbeitrag und zahlten 20 Euro pro Person für ein Abendessen mit Getränken. Auch fünf Bürger aus Rocella Jonica, mit dem kalabresischen Ort am Jonischen Meer ist Arco 2017 zehn Jahre verschwistert, waren zur Feier gekommen, die wie eine große Familienfeier wirkte. Ob das daran liegt, dass Vorsitzender Lino Rosa jedes Jahr mindestens eine einwöchige Vereinsfahrt anbietet, an der sich stets über 50 Leute beteiligen?

Nach 45 Jahren ist Schluss: Franco Viola, seit über vier Jahrzehnten die gute Seele und der Motor der Fußballturniere „Beppe Viola“ zieht sich zurück. Wer ihn kennt, weiß, dass das noch kein endgültiger Abschied ist, doch der über 80-Jährige möchte kürzer treten. Sein Nachfolger ist Marco Benedetti, der zwei Legislaturperioden Minister in Trient war und derzeit der Tourismus-Organisation am Gardasee vorsteht. Mit vier Mannschaften der Fußballer unter 16 begann das Turnier vor 45 Jahren, schon bald stieg die Teilnehmerzahl auf 16 (aus aller Welt). Seit 17 Jahren gibt es noch ein Turnier für die Bambini, seit 15 Jahren eines für die Frauen. An denen beteiligen sich 64 beziehungsweise 4 Mannschaften. Auch aus Schotten hat sich schon einmal eine Bambini-Elf am Wettkampf beteiligt. Die nächste Veranstaltung ist vom 8. bis 15. März auf vier Sportplätzen in Arco und Umgebung, das Finale und die Siegerehrung finden jedoch immer in der Partnerstadt von Schotten statt.