Neues aus Arco

Bild des Benutzers Gernot Schobert

Sommer ist Saison in Schottens norditalienischer Partnerstadt Arco. Ab Ostern setzte der Besucherstrom ein, der jetzt seinen Höhepunkt hat. Im Gegensatz zu Riva, das direkt am Gardasee liegt, erstreckt sich das Terrain von Arco am Wasser nur auf einen relativ kleinen Streifen im Bereich des Sarca-Flusses. So zieht es mehr Kletterer und Radfahrer in die Stadt.

Auftakt der großen Veranstaltungen war Arco Bonsai, eine Ausstellung, Verkaufsschau und Fachtagung rund um das Thema Bonsai. Das Casino und die Palmen-Allee am Springbrunnen hatten sich dazu in einen riesigen Garten verwandelt. Viele Händler boten hier ihre kleinen Bäumchen an. Zur Eröffnung war der japanische Konsul in die Partnerstadt gekommen. Die Arcobonsai Convention ist eine interessante Möglichkeit für alle, die Bonsai lieben, sie sammeln oder züchten. Italienische Bonsai-Experten bieten Workshops, einen Informationsaustausch und alle Arten von Beratung. Bei der Veranstaltung 2016 standen lokale Gartenarbeit und Aufzucht im Mittelpunkt. Unternehmen präsentierten ihre Produkte in speziellen Ständen. Arcos Stadtgärtner hatten besondere Blumen- und Pflanzenarrangements in den Gärten und im alten Stadtzentrum geschaffen. Im Bereich vor der Bar Centrale hatten örtliche Vereine kleine Zelte aufgestellt, in denen sie Essen und Trinken anboten.

Es herrscht in der „Cantina Marchetti“, dem alten Palast der Marchetti nach zwei Jahren Ruhe wieder Leben. Die Familie Tamanini (ihr gehört die Apotheke) hat hier intensive sehr gelungene Renovierungsarbeiten durchgeführt. Zunächst gibt es dort gegenüber der Stadtkirche die Bar mit Café und Pasticceria „Conti di Arco“. Dieses Lokal mit seiner großen Terrasse besteht schon seit vielen Jahren. Neu ist jedoch das Innere im alten Palast. Ein großzügiges Restaurant, das im Mai eröffnet wurde, und jetzt die große Terrasse im Innenhof zwischen den Wänden mit den alten Fresken. Bei schlechtem Wetter werden die Besucher mit einer Art Zeltdach vor Regen geschützt. Der „Coro Castel“ von Arco hat sich der Tradition der 70er Jahre erinnert, als hier regelmäßig Konzerte von Trentinier Männerchören stattfanden, und für dieses Jahr ein Programm aufgestellt. Zwei Auftritte der Arcoer Sänger sowie Gastspiele anderer Chöre der Region sorgen für eine zusätzliche kulturelle Attraktion. Der heutige Palazzo Marchetti ist eng mit den Conti d'Arco (Grafen von Arco) verbunden. Das ist ein Trentiner Adelsgeschlecht, das die gleichnamige Grafschaft verwaltete. Der Palazzo Marchetti aus dem 16. Jahrhundert befand sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts in der Hand der Grafen, bevor er dann vom Richter Saverio Marchetti gekauft wurde. In diesem traditionsreichen Palazzo befindet sich heute das Lokal: „Ai Conti“.

Eine kulturelle Attraktion war auch der Auftritt von „Arco Asburgica“. Mehr als zehn Paare in den prächtigen Kostümen aus der Zeit der Habsburger tanzten unter dem Motto „Wir erwarten Sissi – zu den Noten von Strauss“. Walzer- und Marschmusik aus der Zeit um 1850 erklang in den Straßen der Stadt, viele Zuschauer verfolgten den anmutigen Reigen der Tänzerinnen und Tänzer. Arco war im 18. Jahrhundert der Sommersitz des österreichisch-ungarischen Hofes und rühmte mit der Präsenz von Sissi, Kaiser Franz Josef, Prinz Albert und vielen anderen edlen Aristokraten. Diese werden regelmäßig bei Veranstaltungen des Habsburger Hofs in Arco „zum Leben erweckt“.

Was einmal mit ein paar Ständen an der katholischen Stadtkirche begann, hat sich zu einer Großveranstaltung mit rund 100 Beschickern entwickelt. Jeden dritten Samstag im Monat findet in Arco ein Flohmarkt statt, der immer wieder zahlreiche Freunde der Altertümer begeistert. Mit: „Für jeden, der etwas Besonderes, ein Sammlerstück oder irgendetwas Altangehauchtes sucht oder für diejenigen, die einfach die Vergangenheit noch einmal erleben möchten“, wirbt die Fremdenverkehrsorganisation „Gardatrentino“. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hatte sich „Ingarda“ einen neuen Namen gegeben. In der neuen Struktur haben die Hotelbesitzer, Gastwirte, Händler und Tourismusanbieter mehr Einfluss gegenüber der Politik erhalten.

„Kirmes in Arco“, so lässt sich das Fest der Alpini beschreiben. Die zweitägige Veranstaltung der Vereinigung der ehemaligen Gebirgsjäger (mit den oberhessischen Reservisten verschwistert) findet an deren Hütte (Baita) im Stadtteil Prabi statt. Tanzbegeisterte kamen dort zu den Klängen des Orchesters „Savarà“ auf ihre Kosten. Dabei war festzustellen, dass die Italiener gerne mit großer Begeisterung tanzen. Mit dazu gehören auch Kranzniederlegungen am Denkmal von Colonello Marchetti (ein großer Förderer der Gruppe), am Ehrenmal für die Gefallenen und am Denkmal an der Baita. In einem großen Zug bewegten sich die Alpini aus Arco, offizielle Gäste und Vertreter anderer Gruppen zu der Marschmusik der Alpini-Fanfaren aus Riva durch die Altstadt zum Festgelände. Bei einer Tombola wurden über 3000 Lose verkauft.

Seit einigen Jahren findet in Arco ein Sommer-Karneval statt. Der dauerte heuer drei Tage und beginnt am Donnerstag mit Musik in den Straßen der Partnerstadt und Kinder-Unterhaltung. Auch am Freitag gibt es ein Programm für die Kinder und Konzerte an drei verschiedenen Orten. Umzugswagen bewegten sich am Samstagabend durch die Stadt, auch dazu gibt es Kinder-Unterhaltung und Musik.

Zum Schluss noch ein wenig Statistik: Arco hatte im Jahr 2015 17559 Einwohner (ein Plus von 136 im Vergleich zu 2014), 8500 Männer und 9059 Frauen. Es gab 187 Geburten, 185 Sterbefälle, 751 Zu- und 588 Abwanderungen. Sechs Einwohner (je drei männlich und weiblich)sind über 100 Jahre alt, 242 (56 Männer, 184 Frauen) sind zwischen 90 und 99 Jahre alt, 898 (341/557) zwischen 80 und 89, 1483 (671/812) zwischen 70 und 79, 1944 (955/989) zwischen 60 und 69 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt bei 43,12 Jahren. Bis 17 Jahre alt sind 3172 Arcoer (1671/1501).

In Arbeit sind 4711 Männer und 4926 Frauen oder 54,88 Prozent.

1934 hatte Arco 8882 Einwohner, 1951 waren es 10184, 1961, ein Jahr nach der Verschwisterung mit Schotten, waren es 10429.

Es gibt 7562 Familien, 2015 wurden 48 standesamtliche und 18 kirchliche Ehen geschlossen. Zwischen 2000 und 2015 gab es 579 Einbürgerungen. Nicht-Italiener sind 1594 Einwohner, die meisten sind Moldawier (134), Polen (94), Marokkaner (72), Ukrainer (71), Tunesier (70), Deutsche (55), Chinesen (51), Pakistaner (43), Nigerianer (30), Russen, Bosnier und Senegalesen (je 24) ­ 1014 kommen aus außereuropäischen Ländern.