Neues aus Arco

Bild des Benutzers Gernot Schobert

Arco/Schotten. In diesen Tagen gehört Schottens Partnerstadt den Einheimischen. Die Touristenströme sind mit Ende des Christkindlmarktes Mitte Januar versiegt. Einige Betriebe sind geschlossen, hier geht es erst um Ostern weiter. In den offenen Geschäften wird an diesem Samstagmorgen geputzt, gefegt und abgestaubt, so ist das Personal beschäftigt. Rund um die Kirche bahnt sich jedoch das nächste größere Ereignis an, der 142. „Carnevale di Arco“ lockt an zwei Wochenende viele Besucher in die Stadt. Überwiegend Italiener vom nördlichen Gardesee und aus der Stadt. Um die Mittagszeit strömen überwiegend Mütter mit ihren Kindern auf den Segantini-Platz ins „Arcoland“. Hier dreht sich ein Karussell, hier fahren sie  mit Kettcars durch einen Parcours aus aufgeblasenen Gummielementen. Um die Ecke befindet sich eine Art Hindernisbahn, ebenfalls aus Gummiteilen, auf der sich Jungen und Mädchen austoben. Pommes, Getränke, Süßigkeiten und jede Menge Tüten mit Konfetti werden verkauft. Am Abend gleicht die Innenstadt einem Schlachtfeld voller bunter Schnipsel. Die Bimmelbahn, die im Sommer die Touristen durch die Stadt kutschiert, dreht mit den Kinder aus Arco ihre Runden.

Samstagabend 18 Uhr in der „Galeria il Transito“ in der Via Segantini in der Fußgängerzone. Im kleinen Ausstellungsraum drängen sich Menschen der Künstlergruppe „Arti Visive“. Bis zum 16. Februar zeigt hier die Künstlerin Nella Mattei „Vestizione alla luce“. Das sind liebevoll gehäkelte Bekleidungsstücke für Babys. Als die Malerin erfuhr, dass ihr Schwiegertochter im Mai Zwillinge auf die Welt bringen würde, tat sie das, was früher viele werdende Omas gemacht haben. Sie stellten die Kleidung für den Nachwuchs selbst her. Also häkelte und strickte „Nonna“ Nella für die beiden Ungeborenen Mützchen, Kleider, Schuhe …. „Das ist so schön, dass Du es auch anderen zeigen solltest“, bearbeiteten sie ihre Freunde und Bekannten – und so entstand diese besondere Ausstellung. „Schotten?“, „Ja, da war ich auch einmal zum Jugendaustausch“, erinnert sich die Handarbeiterin. Sie hatte danach noch Briefwechsel mit ihrer damaligen neuen Freundin aus der Vogelsbergstadt. Aber irgendwann hatte ihre Mutter die Briefe entsorgt. Damit sind auch die Kontakte abgerissen, doch die Erinnerung an eine schöne Zeit gibt es immer noch. Und noch eine Erinnerung an die Verschwisterung hat sie. Vor einigenJahren gab es im Casino (Kursaal) von Arco eine internationale Kunstausstellung mit Exponaten aus allen Partnerstädten. „Da habe ich einen Preis gewonnen“, sagt sie und stößt mit einem Glas Sekt auf ihre neueste Aktion an.

          

Einige hundert Meter weiter wirken die Hobby-Küche der Alpini in deren Hütte (Baita) am Schwimmbad von Prabi. Eine Gruppen Krippen-Bauer aus Gavardo im Süden des Gardasees wollte auf einem Ausflug „carne salada“ essen, (Spezialität von Arco: gepökeltes Rindfleisch mit dicken braunen Bohnen). Carlo Zanoni, Vorsitzender der Alpini, kennt die Gruppe und hatte vorgeschlagen, das Essen in der „Baita“ auszurichten: Vorspeise, Hauptgericht und Apfelstrudel zum Nachtisch, Kaffee und Grappa. Den Gästen aus der Provinz Brescia gefiel es bestens. Die Gruppe besteht aus knapp 50 Personen, die jedes Jahr ab Oktober überdimensionale Krippen aus Holz herzustellen auf verschiedenen Plätzen im Ort aufbauen. Jedesmal entstehen dabei verschiedene Motive aus anderen Regionen von Italien. „So um 40000 Euro haben wir vergangenes Jahr investiert, Gelder von Sponsoren und von uns persönlich“, sagt Mauro Andreassi von der Gruppe „Presepio di Gavarda“. Zu sehen sind die handwerklichen Kunstwerke ab 24. Dezember bis in die zweite Januarwoche. Diese Attraktion der 11000-Einwohner-Stadt lockt viele Besucher an.

          

Sonntagmorgen: Im Restaurant „Al Porto“ in Linfano, wenige Meter vom See entfernt zwischen Riva und Torbole, ist die Mitgliederversammlung der Alpini-Gruppe Arco (ehemalige Gebirgsjäger), die seit zehn Jahren mit den oberhessischen Reservisten verschwistert ist. Vorsitzender Carlo Zanoni erinnert in seinem Bericht an fast 100 verschiedene Veranstaltungen. Darunter waren auch Begegnungen mit Schülern aus Schotten, die bewirtet wurden, sowie mit den Reservisten. Auf kulturellem und sozialem Gebiet waren die Alpini wieder eine feste Größe in seiner Stadt, stellte Bürgermeister Alessandro Betta fest – gleich nach der Feuerwehr. In diesem Jahr sind die 365 Mitglieder (größte Gruppe in der Provinz) zweimal besonders gefordert: zunächst vom 12. bis 15. Mai, wenn in Trient das nationale Treffen von bis zu 600000 Alpini stattfindet, dann betreuen die Arcoer im 24- Stunden-Betrieb zwei Sporthallen, in denen Gäste nächtigen. Zudem wird am Sonntag beim großen Umzug durch die Straßen der Provinz-Hauptstadt mit marschiert. Gut zwei Monate später, vom 13. bis 17. Juli, feiert die Gruppe Arco ihr 90-jähriges Bestehen. Unter den Gästen sind dann auch oberhessische Reservisten, um die 2008 besiegelte Verschwisterung zu erneuern.

Während die Alpini nach der Sitzung mit ihren Ehefrauen im Restaurant ein sechsgängiges Menü genossen, startetet in Arco der große Festzug rund um die Kirche. Sechs Motivwagen bewegten sich durch die Straßen, mit dabei war viel närrisches Fußvolk, auch verkleidet. Kinder und Jugendliche lieferten sich wahre Konfettischlachten, so dass am Abend die bunten Schnipsel zentimeterhoch auf den Gassen lagen. Das ganze Carneval-Spektakel wiederholt sich an diesem Wochenende. Zusätzlich gibt es Narrentreiben in den Kindergärten, Mundart-Theater und „Gnochci“ (Kartoffelnockerln) für alle.Bei den Besucherzahlen gehen die Meinungen auseinander. Auf jeden Fall ist der Zuspruch nicht mehr so groß wie früher - auch beim Weihnachts- oder Christkindlmarkt - als diese Veranstaltungen noch einzigartig in der Region waren. Weil beides gut war, wird es kopiert. Carneval und Weihnachtsmärkte gibt es mittlerweile viele, schon zu viele, und das wirkt sich natürlich auch auf die Resonanz in Arco aus.