MITGLIEDER DES VERSCHWISTERUNGSVEREINS SCHOTTEN ERLEBTEN FREUNDLICHEN EMPFANG

Bild des Benutzers Hans Otto Zimmermann

Auf großer Fahrt in Bayern und Tschechien

[pd] Mitglieder des Verschwisterungsvereins Schotten unter der Leitung des Altbürgermeisters und Vorsitzenden Hans Otto Zimmermann waren am Wochenende vom 28. bis 31. August auf großer Fahrt. Zunächst wurde am 28.08. der befreundeten Stadt Bogen in Niederbayern ein Besuch abgestattet. Nach einem frühen Start am Morgen, erreichte der Bus am zeitigen Nachmittag die Stadt, die sich auch 'Wiege' des bayrischen Rautenwappens nennt. Als erstes wurde der Pfarr- und Wallfahrtskirche 'Mariä Himmelfahrt' auf dem Bogenberg ein Besuch abgestattet. Nach nicht belegten Quellen soll an dieser Stelle bereits um 1104 an Marienstandbild gestanden haben. Der heutige Kirchenbau wurde 1463 vollendet, seine Inneneinrichtung wiederholt verändert. Seit dem dem Ende 15 Jhh. findet hier jährlich an Pfingsten die Holzkirchener Kerzenwallfahrt statt. Die Kerzenwallfahrt entstand am Ende des 15. Jahrhunderts infolge einer starken Borkenkäferplage, die die Wälder um Holzkirchen bedrohte. Seit Ende des 15. Jahrhunderts wallfahrten also die Holzkirchner – treu dem Gelübde ihrer Vorfahren – alljährlich an Pfingsten die 75 km lange Strecke nach Bogenberg. Einmalig ist die Wallfahrt von Holzkirchen nach Bogenberg sicherlich wegen der Opferkerze, der ca.13 m langen Stange, die mit Wachs umwickelt und als Kerze gestaltet, zunächst von Holzkirchen bis Bogen auf den Schultern der Wallfahrern und ab dem Stadtplatz in Bogen im Stand von den stärksten Burschen in die Kirche auf den Bogenberg getragen wird. Den weiteren Nachmittag an diesem ersten Tag verbrachte die Gruppe mit Flanieren, bei Kaffee und Kuchen oder Eisessen in der Altstadt von Bogen. Nach dem Abendessen traf sich die Reisegruppe mit Vertretern des Vorstandes des Partnerschaftsvereins, dem Bürgermeister Franz Schedlbauer und weiteren Vereinsmitgliedern zu einer lockeren Zusammenkunft und Gespräch.

Am zweiten Tag wurde die Fahrt nach Tschechien fortgesetzt. Erstes Ziel war die Stadt Český Krumlov [Krumau], eine wunderschöne historische Stadt, die in einer engen Flussbiegung der Moldau gelegen ist und bereits 1963 unter staatlichen Denkmalschutz gestellt und 1989 zu einer Stadt als UNESCO Kulturerbe ernannt wurde. Die Zeit reichte einfach nicht aus, um während des Aufenthaltes alle sehens-werten und geschützten Gebäude und Baudenkmäler zu besehen und zu begutachten. Über České Budějovice [Budweis] führte dann die weitere Fahrt nach Slavonice [Zlabings], wo man am frühen Abend in dem gebuchten Hotel eintraf.

Slavonice ist seit 2012 die tschechische Partnerstadt von Bogen und hat zusammen mit Bogen in der Europa-Region 'Bayrischer Wald – Böhmen' an den gemeinsamen EU-Programmen zur gesicherten Entwicklung der beidseitigen ehemaligen Grenzbereiche an der früheren, scharf bewachten Grenze der beiden Machtblöcke in Ost und West während des 'Kalten Krieges' mitgewirkt. Slavonice ist heute als eine Stadt mit ca. 2.500 Einwohnern im politischen Geschehen eine unbedeutende Kleinstadt, die aber mit ihren vielen mit Fresken und Grafitis gestalteten Gebäuden und Objekten aus dem frühen bis späten Mittelalter zu einem der prunkvollsten und wertvollsten Gebäude- und Stadtensembles dieser Zeitepoche gehört. In einer mehrstündigen Stadtführung durch eine frühere Mitarbeiterin der Touristikinformation wurden den Reiseteilnehmern diese Baudenkmäler vorgezeigt und erläutert. Leider hat Slavonice durch die geschichtliche Entwicklung nach dem II. Weltkrieg stark gelitten und noch heute – mehr als 20 Jahre nach der 'Wende' – einen erheblichen Nachholbedarf, den die ökonomisch und finanzschwache Kommune nur langsam und nur mit erheblicher finanzieller Unterstützung des tschechischen Staates und der Europäischen Union nach und nach ausgleichen kann. Da die Verkehrs-infrastuktur durch die Lage im Grenzsperrbezirk und unmittelbar vor der österreichischen Bundesgrenze besonders stark gelitten hat, verbleibt heute als Entwicklungspotential für die dortige Bevölkerung eigentlich nur der Fremdenverkehr. Diese Chance wird auch durch die Menschen kräftig genutzt, in dem sie in der als 'Tschechisch Kanada' bezeichneten Region viele touristische Ansätze im Einklang mit der dortigen noch intakten Natur – der einzige positive Aspekt aus der früheren Ausgrenzung durch das festgelegte Grenzsperrgebiet – entwickeln, beispielsweise ist bereits jetzt schon ein umfangreiches und gut ausgebautes Radwegenetz vorhanden, das auch entsprechend gut frequentiert wird. Und das nicht nur durch die heimische Bevölkerung, sondern auch durch viele Besucher aus dem nahen Österreich und insbesondere der Landeshauptstadt Wien.

Im Rahmen des Besuches erfolgte auch eine Begrüßung durch den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Slavonice, Herrn Hynek Blazek, der den Besuchern die aktuelle politische und ökonomische Entwicklung erläuterte. Dabei führte er aus, dass die ersten Impulse zur Renovierung und Restaurierung der schönen und wertvollen historischen Bausubstanz in der Stadt auf die Künstlergruppe 'Divadlo Sklep' aus Prag, eine Gruppe von national und international bekannten und anerkannten Künstlern, vorwiegend aus den Bereichen Holzschnitzereien, Metallguss und Keramik zurück zu führen ist. Diese haben die ersten und wichtigsten historischen Gebäude gekauft und wieder hergerichtet. Gerade im Zusammenhang mit der, gemeinsam von den Städten Bogen und Slavonice getragenen Idee der Errichtung eines 'Europa-Parkes' in dem früheren Dorf Maříž hat sich eine starke Komponente zur Entwicklung als 'Keramik-Dorf' und 'Kunsthochburg' entwickelt.

Einen Besuch stattete die Reisegruppe auch der Ruine der ehemals mächtigen Burg 'Landstejn' [Landstein] ab. Auf dem Weg dorthin passierte der Bus einen Bereich, in dem im vergangenen Jahrhundert nach dem I. Weltkrieg von dem jungen tschechoslowakischen Staat eine Verteidigungslinie mit Bunkern nach dem Beispiel der 'Maginot-Linie' Frankreichs errichtet wurde. Viele dieser etwa 4.000 entlang der gesamten tschechischen Außengrenzen gebauten Bunker, haben nie einen ernsthaften Einsatz erlebt, da die Entwicklung der Waffentechnik, insbesondere auch der Deutschen Wehrmacht zwischen den beiden Weltkriegen einen solch rasanten Fortschritt genommen hatte, dass derartige Bunkeranlagen keine ernsthaften Sperren für die vorrückende Deutsche Wehrmacht gewesen sind. Eindrücklich wurde dabei auch die Vertreibung der in dem Gebiet lebenden Menschen, in der Mehrzahl Deutsche, nach dem Kriegsende 1945 erläutert. Dabei konnten die Teilnehmer der Reisegruppe auch in Erfahrung bringen, dass nicht nur die Deutschen aus dieser Region vertrieben wurden, sondern dass die Tschechen in diesem späteren Grenzsperrgebiet ebenso ihre angestammte Heimat verlassen und ins Landesinnere umsiedeln mussten, weil die regierende Junta nicht wollte, das überhaupt in diesem Grenzbereich Menschen lebten. Viele Tschechen, die sich dieser Willkür nicht beugen wollten, wurden dabei auf der Flucht in das benachbarte Österreich durch eigene Landsleute in Uniform erschossen. Gerade derartige Erlebnisse haben in der Reisegruppe des Verschwisterungsvereins die Erkenntnis wachsen lassen, wie wichtig die Arbeit der Städtepartnerschaften zwischen den europäischen Städten ist, die im wesentlichen von Bürgern dieser Städte getragen werden, um einen starken Beitrag dazu zu leisten, dass es niemals mehr zu derartigen Ereignissen und Handlungen eines menschenverachtenden Krieges kommen kann. Nach einem gemütlichen Abschlussabend im Hotel, bei dem auch tschechische Freunde aus Rýmarov, der Partnerstadt von Schotten mit anwesend waren, verabschiedete sich die Reisegruppe am nächsten Morgen wieder aus Slavonice und trat die Heimreise nach Schotten an.